Kommentar zur ePA-Umfrage

E-Patientenakte – Liebe auf den zweiten Blick?

Die elektronische Patientenakte stößt einer aktuellen Umfrage zufolge auf breite Ablehnung – auf den ersten Blick. Das wahre Problem liegt tiefer.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:

Neun von zehn Patienten in einer Psychotherapie lehnen laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks die elektronische Patientenakte (ePA) ab. Die Nachricht überrascht, auf den ersten Blick – auch wenn es natürlich um sensible Daten geht und es verständlich ist, dass die Patienten eine digitale Speicherung skeptisch sehen.

So wie der Zufall es will, kommt die Umfrage genau ein Jahr nach Einführung der Gesundheitsakte der Techniker Krankenkasse und passend zu einer Zwischenbilanz des TK-Vorstands Jens Baas, der die Dinge ganz anders sieht. Baas zeigt sich zufrieden mit seiner Akte TK-Safe, lobt die bessere Vernetzung von Krankenhäusern und Praxen und freut sich auf die flächendeckende Einführung der ePA für alle Patienten.

Im Januar 2021 soll es so weit sein – und das, obwohl die Skepsis so groß ist? Das Ergebnis der Umfrage überrascht mit dem scheinbaren Ausmaß der Ablehnung auch deshalb, weil die Corona-Pandemie uns gerade vor Augen führt, wie wichtig valide Informationen und der schnelle Datenaustausch zwischen Ärzten für eine gute Versorgung sind. Wie sehr die EPA eigentlich überfällig ist, um das Gesundheitssystem – nicht nur in Pandemiezeiten – zu entlasten.

Informationsdefizite bei der großen Mehrheit der Patienten

Ein zweiter Blick in die Umfrage offenbart das wahre Problem der E-Akte. Der Großteil der Befragten gibt an, „gar nicht“ oder „nur etwas“ über die ePA informiert zu sein. Klar, dass Wissenslücken zu keiner objektiven Einschätzung einer so komplexen Thematik wie der elektronischen Patientenakte führen können. Nicht, wenn es um sensible Gesundheitsdaten geht und darum, wer wann und in welchem Umfang Zugriff darauf haben darf.

Nicht die ePA an sich dürfte also das Problem sein, sondern mangelndes Wissen über sie. Daran muss gearbeitet werden und zwar schnell. Da sind auch die Ärzte gefragt, die über das Patientendatenschutzgesetz ausdrücklich Aufgaben der Aufklärung ihrer Patienten zugewiesen bekommen sollen.

Nur so kann die Akzeptanz der elektronischen Patientenakte letztlich gewährleistet werden. Nur so kann sie tatsächlich mit Leben befüllt und dem System zuträglich gemacht werden. Und nur so können Patienten – ob in Psychotherapie oder nicht – ihre Skepsis gegenüber der ePA ablegen. Vielleicht gibt es dann ja die Chance auf eine Liebe auf den zweiten Blick.

Schreiben Sie der Autorin: margarethe.urbanek@springer.com

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