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Warum ein Job neben dem Medizinstudium kein Teufelswerk ist

Für Medizinstudent Marcel Schwinger ist das Arbeiten als Pfleger neben dem Studium ein Gewinn, der nicht mit Geld zu bezahlen ist. In seinem Blogbeitrag zeigt er aber auch, wie wichtig ein gutes Zeitmanagement ist.

Veröffentlicht: 27.11.2018, 12:54 Uhr
Warum ein Job neben dem Medizinstudium kein Teufelswerk ist

Kliniken auf Nachwuchssuche: Junge Ärzte können schon während des Studiums Praxisluft im OP schnuppern – als Nebenjobber.

© N-Media-Images/Fotolia

Es war viel los im OP: Wir hatten ein Blasenhämatom, vier Schenkelhalsbrüche, einen angesägten Finger und etliches mehr. Ich war um halb neun morgens in der Klinik eingerückt und um halb fünf – auch morgens – erst wieder zu Hause. Den vor mir liegenden Sonntag konnte ich nach so einem Dienst abschreiben. Dabei hätte ich doch etwas an meiner Doktorarbeit machen wollen…

Arbeiten neben dem Medizinstudium – eine anspruchsvolle Angelegenheit. „Geht denn das überhaupt?“ – fragen viele, die neu zum Studium kommen und schon nach kurzer Zeit ein ziemlich sicheres Gefühl dafür ausprägen, mit wie viel Stoff, Pflichtveranstaltungen, Testaten und sonstigen Anforderungen sie auf einmal konfrontiert sind. Und, so fragen sie weiter, wenn das geht, geht es auch gut?

Steigende Mieten machen es nötig

Wenn ich mich in meinem Studienumfeld so umschaue, ist es vielleicht jeder Dritte, der sich mit einem mehr oder weniger regelmäßigen Job ein paar Euro dazuverdient. Der Grund ist fast immer der gleiche: schmales BAföG auf der einen und hohe Wohnkosten auf der anderen Seite, die auch bei uns in Würzburg (von München, Berlin ganz zu schweigen…) nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben.

Doch von irgendetwas muss man ja auch noch leben. Also geht man kellnern, was zwar nur den Mindestlohn bringt, dafür aber zusätzliches Trinkgeld.

Anschluss an die Praxis behalten

Bei mir war das anders. Ich kam aus einer Festanstellung als Pfleger im OP des Uniklinikums und stand auf einmal vor der Frage: Staatliche Leistung kassieren oder arbeiten neben dem Studium? Beim BAföG hätte ich elternunabhängig wahrscheinlich den Höchstsatz abgegriffen.

Dennoch habe ich mich anders entschieden, obwohl ich es als hochgradig ungerecht empfand: Wer mit eigener Hände Arbeit für seinen Lebensunterhalt sorgt, den lässt der Staat hinten runter fallen – null BAföG. Aber sei’s drum. Den Anschluss an die medizinische Praxis aufrecht zu erhalten, das war mir mindestens so wichtig wie das Geld. Also habe ich meine Stelle auf ein studienverträgliches Maß reduziert und bin weiter arbeiten gegangen. Bereut habe ich es nicht.

Ich habe das Glück, dass ich meine Arbeitszeit flexibel über das Jahr verteilen kann. Der Großteil fällt somit auf die Semesterferien. In der Vorklinik war mein Vorteil, dass ich als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger kein Pflegepraktikum machen musste und stattdessen arbeiten gehen konnte. Jetzt, wo in jeder vorlesungsfreien Zeit eine Famulatur anfällt, ist die Sache schon schwieriger. Aber sie ist machbar.

In den Urlaub fahren oder fliegen – das geht halt nur einmal im Jahr für zwei Wochen. Der Rest der Semesterferien wird zwischen Famulatur und Arbeit aufgeteilt. Und dann sind da noch die Wochenenddienste, siehe oben. Früher musste ich mich nur um die urologischen Notfälle kümmern, heute auch um die unfallchirurgischen. Was bedeutet, dass ich in ausnahmslos jedem Bereitschaftsdienst den OP-Saal von innen sehe.

Der Vernetzungs-Effekt

Klingt anstrengend? Ich finde, zu einer Belastung wird das nur, wenn man es als Last empfindet. Das aber war nie mein Ding. Der Job bringt mir außer Geld einen Gewinn, der nicht mit Geld zu bezahlen ist. Zum einen sehe ich am OP-Tisch natürlich unendlich viele Fälle: das ist spannend, interessant – und bildet!

Und natürlich ermöglicht mir die praktische Tätigkeit auch, meine Kontakte in der Kollegenschaft zu pflegen, mich weiter zu vernetzen. Auch das braucht ein Mediziner. Klar: Ein Job als Aushilfskellner würde mir nicht annähernd diese Möglichkeiten bieten.

Eine Frage von Gespür und Organisation

Medizinstudium und Job unter einen Hut zu bekommen, ist keine einfache Sache. Ich gebe zu: Man muss ziemlich diszipliniert sein, einen Plan haben und diesen auch wirklich umsetzen. Aber eigentlich geht es noch um etwas anderes. Vor allem brauchst du nämlich ein Gespür dafür, wann du welche Priorität setzen musst. Das ist das A und O.

Es gibt Zeiten – zum Beispiel gegen Semesterende, wenn die Klausuren anstehen –, da gibt es nichts anderes außer Studieren. Es gibt andere Zeiten, an denen ich mir Zeit für die wissenschaftliche Arbeit abknapsen kann und muss. Und es gibt Zeiten, in denen gearbeitet wird. Die Kunst besteht darin, zur richtigen Zeit den richtigen Schwerpunkt zu setzen. Und nicht zu vergessen, dass jeder Mensch Freiräume braucht und auch mal alle Viere grade sein lassen muss.

Ich gebe zu: Das ist ziemlich viel auf einmal. Aber man kann lernen, sich die Dinge einzuteilen. Deshalb brauchst du relativ große zeitliche Vorläufe, um alles zu planen und aufeinander abzustimmen. Und wenn du es gut hinkriegst, ist sogar eine Famulatur im Ausland drin. Ich werde darüber berichten, wenn es soweit ist – versprochen!

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