Versicherung inklusive

Was bringen Lock-Angebote wirklich?

Beim Auto-, Brillen- oder Handykauf gleich noch eine Versicherung gegen Verlust oder Beschädigung abschließen? Immer öfter werden sogenannte Annexversicherungen angeboten. Doch lohnen sie sich wirklich?

Von Friederike Krieger Veröffentlicht:
Köder mit echtem Mehrwert? Verbraucherschützer sehen die Annexversicherungen zum Teil kritisch.

Köder mit echtem Mehrwert? Verbraucherschützer sehen die Annexversicherungen zum Teil kritisch.

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KÖLN. Wer einen neuen Kleinwagen der Marke VW Polo oder Up kaufen möchte, dem machen Volkswagen-Händler ein schwer zu unterbietendes Versicherungsangebot: Zum Festpreis von 19,90 Euro im Monat können VW-Kunden eine kombinierte Haftpflicht-, Teil- und Vollkaskopolice abschließen.

Das sind rund 239 Euro im Jahr. Eine ähnliche Deckung direkt vom Kfz-Versicherer würde rund 450 Euro kosten.

Um Kunden solche Angebote machen zu können, hat Volkswagen zusammen mit der Allianz sogar einen eigenen Kfz-Versicherer gegründet. Das Unternehmen ist mit solchen Offerten nicht allein.

So bietet auch der in die Kritik geratene Automobilclub ADAC in Zusammenarbeit mit der Zurich Kfz-Versicherungen an. Die VW-Konkurrenten BMW und Mercedes haben mit Ergo beziehungsweise HDI ihre Kooperationspartner in der Assekuranz gefunden.

Eine Win-Win-Situation?

Auch wer eine Brille oder ein Handy kauft oder eine Reise bucht, bekommt häufig noch eine Police angeboten. So arbeitet die Optikerkette Apollo mit Ergo Direkt zusammen, der Konkurrent Fielmann mit der Hanse Merkur.

Media Markt und Saturn kooperieren bei der Versicherung von Elektrogeräten gegen Diebstahl und Unfälle mit dem englischen Versicherer Domestic & General und die Policen auf dem Reiseportal Expedia stammen von Allianz Global Assistance.

Beide Seiten profitieren von solchen Kooperationen: Die Versicherer erschließen sich durch diesen sogenannten Annexvertrieb neue Absatzkanäle. Die Unternehmen erhalten für den Verkauf von Policen Provisionen. Zudem sind sie ein Instrument zur Kundenbindung.

So ist bei den mitverkauften Kfz-Policen meist vorgesehen, dass die Versicherten im Schadenfall eine Vertragswerkstatt aufsuchen müssen.

Der Marktwert ist entscheidend

Nicht in jedem Fall kommen auch die Kunden bei den Kooperationen gut weg. So halten Verbraucherschützer Brillen- und Handypolicen für überflüssig. Denn das verlorene Handy oder die kaputte Brille können die meisten Kunden aus eigener Tasche zahlen.

Zudem erstatten die Policen im Schadenfall meist ohnehin nicht den vollen Kaufpreis. Vor allem Elektrogeräte verlieren schnell an Wert. Geht etwa ein über Media Markt oder Saturn versichertes Handy nach über einem Jahr kaputt, zahlt Domestic & General nur 60 Prozent des Kaufpreises.

Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht den Annexvertrieb als zweischneidiges Schwert. "Diese Vertriebsform kann durchaus Vorteile haben, zum Beispiel wenn es um eine Versicherung geht, die man unbedingt abschließen sollte, dies aber sonst versäumen würde."

So hält sie den Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung, die bei der Buchung von Reisen mit angeboten wird, für sinnvoll. Bei teuren Urlauben können auch Reiserücktrittspolicen sinnvoll sein.

Der Nachteil des Koppelangebots: "Es verleitet zum schnellen Abschluss", sagt Reichard. Sie rät daher, in Ruhe die angebotene Police hinsichtlich des Preises, der Leistung und der Ausschlüsse auf Herz und Nieren zu prüfen.

Der Teufel lauert bei den Koppelangeboten oft im Detail. Selbst wenn ein Reiseanbieter mit einem Versicherer kooperiert, der in der Regel gute Policen im Angebot hat, ist der Kunde nicht auf der sicheren Seite.

Bei allen getesteten Portal

So hat die Zeitschrift "Finanztest" Anfang vergangenen Jahres über Urlaubsportale angebotene Reiserücktritts- und -abbruchversicherungen untersucht. Das Ergebnis: Die beste wie auch die schlechteste Police im Test stammte von demselben Versicherer, der Hanse Merkur.

Die von den Testern als "sehr gut" bewertete Police, die die Gesellschaft über Opodo.de vertrieb, war bei Travelchannel.de nur in einer abgespeckten Version zu haben.

Policen störten Finanztest die Selbstbehalte, die bei teuren Reisen erhebliche Summen ausmachen können. Die Verbraucherschützer empfahlen, sich auch direkt bei Versicherern nach entsprechenden Angeboten zu erkundigen, zumal sie zum Teil günstiger sind.

Auch bei den Policen der Autohändler sollten Kunden das Angebot genau prüfen. Laut einer aktuellen Finanztest-Stichprobe lässt das Preis-/Leistungsverhältnis der Policen zu wünschen übrig. Kaum einer der getesteten Händler schaffte es, günstiger zu sein als der Online-Direktversicherer HUK24, der zum Teil sogar bessere Leistungen bietet.

Auch das Billig-Angebot von Volkswagen für Polo und Up hat Haken: Wer es nutzen will, muss mindestens 23 Jahre alt sein und Schadenfreiheitsklasse 1 haben. Damit will VW besonders junge und schadenträchtige Fahrer fernhalten.

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