Kommentar zur E-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

eAU: Chaos wäre kontraproduktiv

In gut zwei Monaten startet die eAU als Pflichtanwendung der TI. IT-Verantwortliche warnen vor Chaos. Es wird Zeit, für Ärzte ein wenig Druck aus dem Kessel zu nehmen.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
eAU: Chaos wäre kontraproduktiv

© Stephan Thomaier

Es ist ein Weckruf, der Brief zur elektronischen AU-Bescheinigung von IT-Verantwortlichen aus acht KVen an die KBV. Ob er wohl noch rechtzeitig gehört wird?

Wer in diesen Tagen mit Ärzten über die Weiterentwicklung der TI spricht, hört immer wieder, wie komplex die Einführung von Anwendungen wie KIM für die Techniker der Praxissoftwarehäuser zu sein scheint. Mal muss an dieser, mal an jener Softwareschraube nachjustiert werden, mal scheint der Server nicht in der Lage zu sein, die neuen Anwendungen zu managen. Viel Zeit geht Ärzten auf diese Weise verloren, die doch mit der Bewältigung der Pandemie auch so schon genug zu tun haben.

Und nun warnen IT-Verantwortliche vor noch mehr Chaos bei einer übergangslosen Einführung der eAU, die zum 1. Oktober eingeführt werden soll. Nein, hier sind keine Bremser aus ewiggestrigen KVen am Werk, sondern Praktiker, die vorausahnen, dass ohne anständigen Feldtest und mit so vielen Praxen, die noch nicht alle Voraussetzungen für die Umsetzung der eAU erfüllen werden, Chaos losbrechen wird. Chaos aber wäre kontraproduktiv für die Akzeptanz der Telematikinfrastruktur.

Und wenn am Ende tatsächlich die Hälfte der Vertragsärzte dazu gebracht würde, Vertragsarztrecht zu brechen, weil die eAU eine verpflichtende Anwendung ist, stellt das die Legitimität des Systems auf eine harte Probe. Es kann schließlich nicht die Lösung sein, Kassenpatienten halblegal kurzerhand eine private AU auszudrucken und in die Hand zu drücken, weil es anders nicht mehr geht! Ganz abgesehen von dem Aufwand mit der Software, einen neuen Schein anzulegen.

Nein, es wird Zeit, reinen Wein einzuschenken und für mindestens ein Quartal einen Parallelbetrieb mit eAU und Muster 1 zu ermöglichen.

Klar – wenn zu früh der Druck aus dem Kessel genommen wird, könnte sich die Entwicklung noch weiter verzögern. Das mögen die politisch Verantwortlichen fürchten. Aber nachdem jetzt so viele Jahre vergangen sind, bevor die TI richtig ins Laufen kommt, sind drei Monate Verspätung für die eAU am Ende nicht mehr entscheidend und stellen auch das Gesamtprojekt nicht infrage. Das sollte auch ein Gesundheitsminister einsehen, der im Bundestagswahlkampf möglichst keine schlechten Nachrichten verbreiten will.

Lesen Sie auch den Beitrag: Brandbrief aus mehreren KVen: Bei der eAU droht ein „Desaster“

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