Ärzte Zeitung, 09.06.2016

Telemedizin

BMG mahnt zur Zeitdisziplin

Von Helmut Laschet

BMG mahnt zur Zeitdisziplin

Hauptstadtkongress 08. Juni 2016 in CityCube Berlin *** Local Caption *** (c) Stephanie Pilick

Start des Hauptstadtkongresses 2016 / Widmann-Mauz droht mit Sanktionen

Bei der Umsetzung des E-Health-Gesetzes wird das Bundesgesundheitsministerium kein Pardon geben. Das Pflichtenheft muss eingehalten werden - sonst folgen Sanktionen.

BERLIN. Das Bundesgesundheitsministerium setzt bei der Überwindung räumlicher Distanzen vor allem für die Versorgung ländlicher Regionen, aber auch bei Kooperationen über Sektorengrenzen hinweg auf die Telemedizin. Vorhandene Pilotprojekte reichten dazu nicht aus, notwendig sei eine flächendeckende Telematikinfrastruktur, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz am Mittwoch bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit 2016.

Sie fügte mahnend hinzu: "Wir lassen nicht zu, dass dies durch interessengeleitetes Klein-Klein verhindert wird. Die Zeitpläne des E-Health-Gesetzes müssen eingehalten werden."

Ein großes Potenzial sieht Widmann-Mauz in dem nun startenden Innovationsfonds. Notwendig sei, dass neue Versorgungsmodelle in gewachsene Versorgungsstrukturen eingepasst werden können. Es gehe darum, nicht noch mehr Insellösungen auszuprobieren, sondern Projekte zu identifizieren, die das Potenzial für die reale Breitenversorgung haben.

In einer Videobotschaft hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der am Mittwoch auf einer Aids-Konferenz in New York war, Ärzte, Wissenschaftler und andere Player im Gesundheitswesen zu besserer Mannschaftsleistung aufgefordert und dabei ebenfalls die herausragende Rolle der Telemedizin betont.

Thematisch steht der diesjährige Hauptstadtkongress im Zeichen von Innovation. Rückblick und Ausblick boten die beiden Referate von Professor Bertram Häussler (IGES) und Professor Detlev Ganten (Charité).

Der Zuwachs an Lebenserwartung im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei primär eine Folge der industriellen Revolution, der Verbesserungen der Hygiene und der Lebensbedingungen gewesen - ohne großen Einfluss der Medizin. Erst mit dem 1948 in den USA verabschiedeten Heart Act sei der systematische Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestartet worden: mit einem Gewinn an weiteren elf Jahren Lebenserwartung bis zum Jahr 2000. Als Erfolgsparameter dieser Entwicklung nannte Häussler:

den "martialischen Einsatz" von Investitionen in das National Heart-Institute, den Aufbau einer Epidemiologie und die Entwicklung neuer Arzneimittel und

ausdauernde Geduld, weil es mehr als 20 Jahre gedauert habe, bis mit neuen Arzneimitteln ein Effekt auf die Mortalität durch Herz-Kreislauf-Krankheiten zu beobachten gewesen sei.

Mit den Erkenntnissen aus der Molekularbiologie sei ein neues Zeitalter der Medizin angebrochen, sagte Ganten. Dadurch entstehe eine völlig neue Wissenschaft: die Verbindung von Biologie, Medizin und Sozialwissenschaften durch Public Health-Ansätze, mit denen die komplexen Einflüsse der Umwelt, der Kultur und der Ernährung auf die Gesundheit analysiert werden könne. Eine solch anspruchsvolle Sicht auf die Gesundheit erfordere mehr als nur die Intuition des Arztes.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »