Ärzte Zeitung online, 29.08.2017

SUN-Studie

Kaffeetrinker leben länger

Seit Jahren eine strittige Frage: Ist Kaffee eher gut oder schlecht für die Gesundheit? Spanische Forscher brechen nun eine weitere Lanze für das schwarze Heißgetränk: Es kann das Leben verlängern – vor allem bei Menschen über 45.

Kaffeetrinker leben länger

Mythos Kaffee: Quell des Lebens oder gesundheitsschädlich?

© dimakp / Fotolia

BARCELONA. Kaffee ist nicht nur eines der beliebtesten Getränke der Welt, es könnte auch zu einem längerem Leben führen: Spanische Forscher um die Kardiologin Dr. Adela Navarro vom Hospital de Navarro haben in einer aktuellen Studie analysiert, dass ein hoher Kaffeekonsum das Mortalitätsrisiko merklich senkt. Die Daten wurden jetzt auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellt (Coffee consumption and all-cause mortality in a Mediterranean cohort: the SUN project).

Im Zuge des Projekts "Seguimiento Universidad de Navarra (SUN)" griffen die Wissenschaftler auf Daten von 22.500 Absolventen der Universität Navarro seit 1999 zurück. 19.896 nahmen an der SUN-Studie teil (Durchschnittsalter bei Studienbeginn: 37,7 Jahre) und füllten einen Fragebogen aus, der ihre Ernährung, Lebensgewohnheiten, ihren Gesundheitszustand und soziodemographische Faktoren erfasste – und mit ihrem Kaffeekonsum verglich. Die Teilnehmer wurden über zehn Jahre hinweg beobachtet.

Merklich sinkendes Risiko ermittelt

Studienteilnehmer, die mindestens vier Tassen Kaffee täglich tranken, hatten der Studie zufolge ein um 64 Prozent geringeres Sterberisiko (all-cause mortality) als diejenigen, die selten oder nie Kaffee tranken. Pro zwei Tassen, die darüber hinausgingen, konnten die Forscher sogar noch einmal eine Senkung um jeweils 22 Prozent feststellen.

Der positive Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und niedrigerer Sterblichkeit war vor allem bei Menschen über 45 Jahres ausgeprägt: Pro zusätzlich zwei Tassen sank bei ihnen das Risiko, zu sterben, um 30 Prozent. Bei jüngeren Studienteilnehmern war dieser Zusammenhang dagegen nicht signifikant.

Dr. Navarros Fazit: "Unsere Ergebnisse indizieren, dass vier Tassen Kaffee am Tag zu trinken, Teil einer gesunden Ernährung sein kann – bei gesunden Menschen". Eine brasilianische Studie kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass auch mehrere Tassen Kaffe pro Tag das EKG von Herzinsuffizienzpatienten nicht aus dem Rhythmus brachte. (ajo)

Topics
Schlagworte
Barcelona / ESC (15)
Ernährung (3594)
Organisationen
ESC (555)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[30.08.2017, 12:17:34]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dazu auf Twitter
Ärzte Zeitung @aerztezeitung
Kardiologen: Kaffeetrinker leben länger https://t.co/7anF3fquxQ

Thomas G. Schätzler @ThomasGSchtzler
Antwort an @aerztezeitung
Ganz einfache Erklärung: Wer noch in der Lage ist, Kaffee kochen zu können, ist noch am Leben und hat's einfach nicht so schlimm am Herzen!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

KBV kämpft um Autonomie der Ärzte

Die im TSVG enthaltenen verpflichtenden Mindestsprechzeiten sind der KBV nach wie vor ein Dorn im Auge. Der Vorstand fordert nun die Regierung auf, diesen Passus zu streichen. Und das ist nicht der einzige Änderungsvorschlag. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »