Ärzte Zeitung, 11.01.2012

Nikotin kurbelt Omas Gedächtnis an

NASHVILLE (mut). Wenn bei älteren Menschen das Gedächtnis spürbar nachlässt, kann Nikotin das Erinnerungsvermögen schärfen, wie eine Studie mit Nikotinpflastern ergeben hat.

Nikotin kurbelt Omas Gedächtnis an

Nikotinpflaster helfen alten Menschen, sich besser zu erinnern.

© dalaprod/ fotolia.com

Eine Einladung, mit dem Rauchen zu beginnen, liefern die Erkenntnisse von US-Forschern sicher nicht. Doch möglicherweise kann transdermal verabreichtes Nikotin die kognitive Leistung von Menschen mit ersten ernsthaften Gedächtnisproblemen verbessern.

Ein Team um Dr. Paul Newhouse aus Nashville hatte 74 älteren Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen (mild cognitive impairment, MCI) sechs Monate lang regelmäßig ein Pflaster verabreicht, das entweder täglich 15 mg der Droge freisetzte oder keinen Wirkstoff enthielt (Neurology 2012; 78: 91).

Zu Beginn und am Ende der Studie wurden die Teilnehmer diversen Tests unterzogen. Mit der Nikotintherapie hatte sich das Kurzzeitgedächtnis in den sechs Monaten signifikant verbessert, nicht so mit Placebo.

Ängste weniger ausgeprägt

Mussten die Testpersonen vorgelesene Wörter wiedergeben, so schnitten sie mit Nikotin sowohl bei der unmittelbaren als auch der verzögerten Wiedergabe besser ab, sie vergaßen also weniger Wörter. Zudem war die Reaktionszeit in Computertest unter der Nikotintherapie geringer, was die Autoren als Zeichen einer verbesserten Aufmerksamkeit interpretierten.

Der klinische Gesamteindruck hatte sich in der Nikotingruppe nach dem Urteil der untersuchenden Ärzte bei acht Teilnehmern verbessert (24 Prozent), aber nur bei Dreien (9 Prozent) in der Kontrollgruppe. Allerdings waren die Unterschiede hier nicht signifikant, dafür war die Teilnehmerzahl zu gering.

Ebenfalls nur einen Trend zur Signifikanz gab es bei Tests auf das räumliche Gedächtnis und bei der Bilderkennung. Ängste schienen unter Nikotin etwas geringer ausgeprägt zu sein.

Als Nebenwirkungen trat bei einigen Teilnehmern ein leichter systolischer Blutdruckabfall ein, der jedoch klinisch unauffällig blieb. Entzugssymptome nach dem Ende der Therapie wurden nicht beobachtet. Insgesamt beurteilten die Ärzte die Therapie als gut verträglich.

Nikotin bindet Acetylcholin-Rezeptoren

Eine Wirksamkeit von Nikotin bei altersbedingten Gedächtnisproblemen liegt nahe. So gehen bei Morbus Alzheimer bevorzugt Acetylcholin produzierende Nervenzellen zugrunde.

Mit Cholinesterase hemmenden Antidementiva versucht man den Acetylcholinspiegel möglichst lange hoch zu halten. Nikotin hingegen bindet an Acetylcholin-Rezeptoren und kann daher den rarer werdenden Neurotransmitter substituieren.

Die Studienautoren warnen jedoch davor, dass Gesunde sich nun Nikotinpflaster aufkleben oder gar zu rauchen anfangen, um ihre geistigen Fähigkeiten zu verbessern. In Studien mit Studenten brachte Nikotin keinen Leistungsschub. Dieser sei wohl nur möglich, wenn es im Gehirn tatsächlich an Acetylcholin mangle.

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