Ärzte Zeitung, 21.02.2005

Organspende ist auch möglich bei Drogenkonsum

HANNOVER (dpa). Konsum von Drogen wird nicht als generelles Risiko für Organspenden angesehen. Wenn man Menschen, die Drogen konsumieren, als Risiko nehmen würde, dann dürfte kein einziges Organ aus Holland geholt werden, weil es Marihuana dort bekanntlich an jeder Straßenecke gibt. Das sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Professor Günter Kirste.

Zum Verdacht, daß sich mehrere Patienten in Deutschland durch Spenderorgane mit Tollwut infiziert haben, sagte Kirste, die Spenderin sei nach den Richtlinien der Bundesärztekammer nicht als Risiko für eine Organspende angesehen worden. Die 26jährige habe "irgendwann mal" Drogen genommen. Als Risikogruppe würden Langzeit-Drogenkonsumenten eingestuft, die sich Rauschgift intravenös spritzten.

Organe werden Kirste zu Folge nicht zur Transplantation verwendet, wenn etwa eine therapieresistente Sepsis vorliege. Auch bösartige Tumore und HIV-Infektionen gehören zu Ausschlußkriterien. Alkoholkonsumenten dagegen würden - selbst wenn sie schon seit Jahrzehnten alkoholkrank seien - nicht grundsätzlich von einer Organspende ausgeschlossen.

Eine feste Liste mit Erkrankungen, die das Spenden von Organen ausschließen, gibt es nicht. Die Medizin entwickle sich stetig weiter. Zudem sei es immer auch eine individuelle Entscheidung der beteiligten Ärzte, so Kirste. Da gebe es einen Ermessensspielraum.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Organempfänger sollte Risiko kennen

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