Ärzte Zeitung, 12.01.2007

Plädoyer für Nierentransplantation statt Dialyse bei Kindern

Marburger Kindernephrologe empfiehlt, bei terminaler Niereninsuffizienz so bald wie möglich zu operieren / Gute Transplantationsergebnisse

BAD NAUHEIM (ner). Bei Kindern mit terminaler Niereninsuffizienz sollte die Dialyse möglichst vermieden werden. Stattdessen sollten sie so bald wie eine Nierentransplantation bekommen. Das vermeide die Langzeitkomplikationen der Dialyse, Entwicklungsverzögerungen bei den Kindern und bessere das Transplantatüberleben, hieß es bei einem Symposium in Bad Nauheim.

Ein Junge bekommt eine Dialyse wegen Niereninsuffizienz. Foto: dpa

Kinder, die eine Dialyse bekommen müssen, haben deutliche Wachstumsverzögerungen und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, wie Professor Günter Klaus von der Universität Marburg gesagt hat. Das beeinträchtige auch die Ausbildung und die soziale Kompetenz der Kinder. Darüber hinaus entwickelten auch junge Patienten unter der Dialyse eine Atherosklerose, so der Kindernephrologe Klaus. Grund dafür ist der gestörte Kalziumphosphat-Stoffwechsel. Davon abgesehen sei es oft nicht einfach, geeignete Gefäße für die Hämodialyse zu finden. Für die Kinder seien zudem die dauernden Punktionen sehr belastend.

Die Ursache für ein terminales Nierenversagen ist meist eine angeborene Fehlbildung der Nieren oder des Harntraktes oder beides. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Kinder, die maximal sechs Monate dialysiert wurden, bevor sie ein Nierentransplantat erhalten hatten, weniger Komplikationen hatten als Kinder nach später Nierentransplantation. Zudem überlebte das fremde Organ länger. In Marburg und einigen anderen deutschen Transplantationszentren erreiche man bei über 90 Prozent der operierten Kinder inzwischen Transplantat-Überlebenszeiten von sechs Jahren, sagte Klaus. Bei zwei Drittel der Patienten funktioniert das Organ länger als zehn Jahre. "Heute gehen wir von einer längeren Funktionsdauer aus, allerdings wissen wir dies erst in Zukunft", so Klaus zur "Ärzte Zeitung".

Mit ein Grund für die guten Resultate ist wahrscheinlich die überdurchschnittliche Qualität der Organe: Bei 30 Prozent der Organe handelt es sich um Lebendspenden von relativ jungen Spendern. Die Wartezeit auf ein Organ beträgt bei Kindern nur ein bis zwei Jahre. Bei Erwachsenen sind es bis zu acht Jahre. Da sich die Niereninsuffizienz bei angeborenen Fehlbildungen langsam entwickelt, könnten die Kinder rechtzeitig bei Eurotransplant angemeldet werden, sagte Klaus.

Infos zur Dialyse und Transplantation unter www.kfh-dialyse.de/

Mehr als hundert Transplantationen

In Deutschland werden jedes Jahr zwischen 100 und 120 Nierentransplantationen bei Kindern und Jugendlichen vorgenommen. Hinzu kommen Kinder, die eine Hämo- oder Peritonealdialyse benötigen - im Jahre 2004 waren das in Deutschland mehr als 500 Kinder unter 15 Jahren. 640 Patienten mit Nierentransplantaten wurden im Jahr 2004 pädiatrisch betreut (G. Klaus/QUASI-Niere-Bericht 2004/2005). (ner)

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