Ärzte Zeitung online, 08.02.2019

Steak belebt die Libido

FleischesLust

„Ist Fleisch sexy“? Diese Frage haben sich australische Forscher gestellt und beim Thema zwischen den Geschlechtern einen Unterschied im Denken erkannt. Allerdings stehen ihre Studienergebnisse zum Teil auf dünnem Eis.

Von Alexander Joppich

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Etwas für echte Kerle? Der weltweite Fleischkonsum steigt – auch, weil es als Statussymbol gilt.

© Dmitry Lobanov / stock.adobe.com

MELBOURNE/ SIDNEY. Fleisch hilft Männern beim Paaren und verhilft zu mehr sexueller Lust: Das ist das Fazit, zu dem australische Wissenschaftler anhand von mehreren Studien kommen (doi: 10.1016/j.foodqual.2019.01.008). Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Magazin „Food Quality and Preference Journal“ veröffentlicht.

Männer entscheiden sich demnach eher für Gerichte mit Fleisch, wenn sie auf der Suche nach einem Sexualpartner sind, so eine zugehörige Mitteilung. Dabei komme ein psychologischer Aspekt auf beiden Seiten zum Tragen.

Die Autoren untersuchten, inwiefern evolutionäre Prozesse die Nahrungspräferenzen prägen. „Unsere Suche nach einem Partner ist so grundlegend in der evolutionären Psyche verankert, dass sie auch Nahrungsentscheidungen beeinflussen könnte – solange sie für das Erreichen der Paarungsziele relevant sind“, sagt Dr. Eugene Chan, Erstautor von der Monash Business School in Melbourne, zum Ansatz.

Warum wählen Männer bevorzugt Fleisch?

Fleisch galt bereits bei den frühen Menschen als Statussymbol. Es wurde, so die Erklärung der Forscher, von den Urmenschen genutzt, um die unwirtliche Umgebung zu überstehen und versprach schon damals Kraft und Gesundheit. Diese Assoziationen zum Fleisch haben sich bei der Menschheit seither eingeprägt, argumentieren die Wissenschaftler.

Später tischten Adelshäuser Fleisch auf, um ihren Wohlstand darzustellen, erinnert Zweitautorin Natalina Zlatevska. Männer nutzten den Verzehr von Fleisch demnach noch heute, um Frauen zu imponieren – und schließlich Nachkommen mit ihnen zu zeugen.

Frauen nutzen dahingegen andere Taktiken, führen Chan und Zlatevska aus: Sie versuchten eher, durch Schönheit und die Darstellung ihrer Gesundheit als attraktive Partner zu wirken, so die Vermutung beider.

Wie sahen die Studien konkret aus?

In einer ersten Studie beobachteten die Wissenschaftler, für welche Speisen sich 268 Frauen und Männer entschieden, nachdem sie Bilder von attraktiven Männern beziehungsweise Frauen gesehen hatten. Auf den Bildern waren die Dargestellten weder nackt noch in sexueller Weise dargestellt.

Die Probanden – allesamt australische Studenten – hatten die Auswahl zwischen Rindfleisch oder veganem Dörrfleisch: 86 Prozent der Männer wählten das Fleisch, während hierzu nur knapp über die Hälfte der Damen griff. Warum die Autoren das – für viele Probanden wohl schlicht unappetitliche – vegane Dörrfleisch als Fleischalternative gewählt haben, bleibt fraglich.

Beim zweiten Versuch sollten sich 878 US-Amerikaner vorstellen, einen Abend mit einer attraktiven Person vom anderen Geschlecht vorstellen beziehungsweise einen Kumpelabend mit einer Person des gleichen Geschlechts. Die sexuell motivierten Männer griffen eher zu einem Beefburger als die Geschlechtskollegen in der Kontrollgruppe.

In einer dritten Studie wiesen die Autoren eine Verbesserung der sexuellen Kondition bei Männern nach dem Verzehr von Rind- und Schweinefleisch nach, wobei die vegane Alternative überwältigend abgelehnt wurde. Weitere Details und worin die Fleischalternative bestand, ließen sich allerdings nicht erfahren.

Insgesamt gibt es bei dem Studiendesign der drei Untersuchungen somit noch erhebliche Optierungsmöglichkeiten. Auch die Interpretationen zum Denkunterschied zwischen den Geschlechtern sind spekulativ.

Was bedeuten die Resultate?

Fazit der Forscher: Der Verzehr von Fleisch bedeute in den Köpfen der Menschen mehr als die bloße Befriedigung des Appetits. „Wenn die Exposition gegenüber sexuellen Reizen die Wahl der Lebensmittel beeinflussen kann, müssen sich politische Entscheidungsträger und Berater für Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln dieses Zusammenhangs bewusst sein, um die Einstellung zu Fleisch und anderen Produkten zu ändern“, sagt Chan.

Auf der anderen Seite könnten die Erkenntnisse auch in der Bewerbung von Fleisch genutzt werden. Während der Fleischkonsum in Deutschland zuletzt leicht gesunken ist, prognostizieren Untersuchungen einen massiven Anstieg des Fleischverzehrs weltweit.

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