Ärzte Zeitung, 20.10.2016

Seltener Notfall

Impfung als Anaphylaxie-Trigger

Ärzte, die impfen, müssen auch für den Fall einer anaphylaktischen Reaktion gerüstet sein. US-Forscher haben analysiert, wie oft ein solcher nach Impfungen vorkommt.

Von Beate Schumacher

Impfung als Anaphylaxie-Trigger

Allergische Symptome nach einer Impfung können auch erst mehrere Stunden danach auftreten.

© Adam Gregor/ fotolia.com

ATLANTA. Theoretisch kann durch jeden Impfstoff eine Anaphylaxie ausgelöst werden. Die allergene Wirkung kann zum Beispiel von den Impfantigenen, Resten von tierischen Proteinen (etwa Hühnereiweiß), antimikrobiellen Substanzen, Konservierungsmitteln oder Stabilisatoren ausgehen.

Glücklicherweise sind solche Komplikationen jedoch sehr selten. Einer US-amerikanischen DatenbankAnalyse zufolge liegt die Rate bei 1,31 pro einer Million Impfdosen.

Daten zu 25 Millionen Impfdosen

Ein Ärzteteam um Dr. Michael McNeil von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta hat dazu alle Impfungen von Kindern und Erwachsenen ausgewertet, die von 2009 bis 2011 im Vaccine Safety Datalink erfasst wurden (J All Clin Imm 2016; 137: 868-878).

Bei rund 17,6 Millionen Impfterminen waren fast 25,2 Millionen Impfdosen verabreicht worden.

Eine Anaphylaxie galt als gesichert, wenn in den Patientenunterlagen ein entsprechender ICD-9-Code vermerkt war und die dokumentierten Symptome den Kriterien der Brighton Collaboration standhielten.

Nach diesen Kriterien ist eine Anaphylaxie gekennzeichnet durch das plötzliche Auftreten und das rasche Fortschreiten allergischer Symptome an mindestens zwei Organsystemen, vorrangig an Haut, Herz-Kreislauf-System oder Atemwegen.

Bei 76 Patienten wurde auf diese Weise das Vorliegen einer Anaphylaxie bestätigt. Auf die vorausgegangene Impfung ließen sich aber nur 33 Ereignisse zurückführen. Keiner dieser 33 anaphylaktischen Notfälle verlief tödlich, stationär behandelt werden musste nur ein Patient.

Die Betroffenen, darunter 20 Frauen und Mädchen, waren zwischen vier und 65 Jahre alt (im Median 17 Jahre). Bei 28 Patienten (85 Prozent) war eine Atopie bekannt, drei hatten schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht, weitere 16 litten an Asthma.

Symptome wenige Stunden danach

Die Symptome hatten in den meisten Fällen wenige Stunden nach der Impfung eingesetzt: bei acht Patienten innerhalb von 30 Minuten, bei weiteren acht nach 30 bis 120 Minuten, bei zehn nach zwei bis vier Stunden, bei zwei nach vier bis acht Stunden und bei einem erst am Tag danach (bei einem Patienten fehlten Angaben zum Zeitpunkt).

Im Vordergrund standen dermatologische und respiratorische Symptome.

55 Prozent der Anaphylaxiepatienten war nur ein einzelner Impfstoff gespritzt worden, die anderen hatten mindestens zwei erhalten. Aufgrund der geringen Fallzahlen ließ sich für einzelne Impfstoffe keine Risikoabschätzung vornehmen.

Davon ausgenommen war nur die trivalente Influenzavakzine, der am häufigsten eingesetzte Impfstoff mit der höchsten Zahl von anaphylaktischen Komplikationen, entsprechend einer Rate von 1,35 pro einer Million Impfdosen.

Equipment zur Anaphylaxie-Behandlung notwendig

"Unsere Studie bestätigt die Seltenheit einer Post-Vakzinierungs-Anaphylaxie", schreiben McNeil und Kollegen. Wegen des plötzlichen Beginns und des potenziell lebensbedrohlichen Verlaufs müsse aber jede Impfpraxis über das Equipment zum Anaphylaxie-Management verfügen.

Wie die US-Mediziner hervorheben, wurde bei Säuglingen und Kleinkindern kein einziger Fall einer Anaphylaxie festgestellt.

Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit Daten aus Großbritannien, wo von September 2008 bis Oktober 2009 nach Standardimpfungen von Säuglingen und Vorschulkindern ebenfalls kein Fall einer Anaphylaxie registriert worden war.

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