Direkt zum Inhaltsbereich

Seltener Notfall

Impfung als Anaphylaxie-Trigger

Ärzte, die impfen, müssen auch für den Fall einer anaphylaktischen Reaktion gerüstet sein. US-Forscher haben analysiert, wie oft ein solcher nach Impfungen vorkommt.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Allergische Symptome nach einer Impfung können auch erst mehrere Stunden danach auftreten.

Allergische Symptome nach einer Impfung können auch erst mehrere Stunden danach auftreten.

© Adam Gregor/ fotolia.com

ATLANTA. Theoretisch kann durch jeden Impfstoff eine Anaphylaxie ausgelöst werden. Die allergene Wirkung kann zum Beispiel von den Impfantigenen, Resten von tierischen Proteinen (etwa Hühnereiweiß), antimikrobiellen Substanzen, Konservierungsmitteln oder Stabilisatoren ausgehen.

Glücklicherweise sind solche Komplikationen jedoch sehr selten. Einer US-amerikanischen DatenbankAnalyse zufolge liegt die Rate bei 1,31 pro einer Million Impfdosen.

Daten zu 25 Millionen Impfdosen

Ein Ärzteteam um Dr. Michael McNeil von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta hat dazu alle Impfungen von Kindern und Erwachsenen ausgewertet, die von 2009 bis 2011 im Vaccine Safety Datalink erfasst wurden (J All Clin Imm 2016; 137: 868-878).

Bei rund 17,6 Millionen Impfterminen waren fast 25,2 Millionen Impfdosen verabreicht worden.

Eine Anaphylaxie galt als gesichert, wenn in den Patientenunterlagen ein entsprechender ICD-9-Code vermerkt war und die dokumentierten Symptome den Kriterien der Brighton Collaboration standhielten.

Nach diesen Kriterien ist eine Anaphylaxie gekennzeichnet durch das plötzliche Auftreten und das rasche Fortschreiten allergischer Symptome an mindestens zwei Organsystemen, vorrangig an Haut, Herz-Kreislauf-System oder Atemwegen.

Bei 76 Patienten wurde auf diese Weise das Vorliegen einer Anaphylaxie bestätigt. Auf die vorausgegangene Impfung ließen sich aber nur 33 Ereignisse zurückführen. Keiner dieser 33 anaphylaktischen Notfälle verlief tödlich, stationär behandelt werden musste nur ein Patient.

Die Betroffenen, darunter 20 Frauen und Mädchen, waren zwischen vier und 65 Jahre alt (im Median 17 Jahre). Bei 28 Patienten (85 Prozent) war eine Atopie bekannt, drei hatten schon einmal eine Anaphylaxie durchgemacht, weitere 16 litten an Asthma.

Symptome wenige Stunden danach

Die Symptome hatten in den meisten Fällen wenige Stunden nach der Impfung eingesetzt: bei acht Patienten innerhalb von 30 Minuten, bei weiteren acht nach 30 bis 120 Minuten, bei zehn nach zwei bis vier Stunden, bei zwei nach vier bis acht Stunden und bei einem erst am Tag danach (bei einem Patienten fehlten Angaben zum Zeitpunkt).

Im Vordergrund standen dermatologische und respiratorische Symptome.

55 Prozent der Anaphylaxiepatienten war nur ein einzelner Impfstoff gespritzt worden, die anderen hatten mindestens zwei erhalten. Aufgrund der geringen Fallzahlen ließ sich für einzelne Impfstoffe keine Risikoabschätzung vornehmen.

Davon ausgenommen war nur die trivalente Influenzavakzine, der am häufigsten eingesetzte Impfstoff mit der höchsten Zahl von anaphylaktischen Komplikationen, entsprechend einer Rate von 1,35 pro einer Million Impfdosen.

Equipment zur Anaphylaxie-Behandlung notwendig

"Unsere Studie bestätigt die Seltenheit einer Post-Vakzinierungs-Anaphylaxie", schreiben McNeil und Kollegen. Wegen des plötzlichen Beginns und des potenziell lebensbedrohlichen Verlaufs müsse aber jede Impfpraxis über das Equipment zum Anaphylaxie-Management verfügen.

Wie die US-Mediziner hervorheben, wurde bei Säuglingen und Kleinkindern kein einziger Fall einer Anaphylaxie festgestellt.

Dieses Ergebnis stehe im Einklang mit Daten aus Großbritannien, wo von September 2008 bis Oktober 2009 nach Standardimpfungen von Säuglingen und Vorschulkindern ebenfalls kein Fall einer Anaphylaxie registriert worden war.

Mehr zum Thema

Amylin-Analogon plus Inkretinmimetikum

Typ-2-Diabetes: Wie wirksam ist die Fixkombi aus Cagrilintid plus Semaglutid?

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Seltene Erkrankungen

Geht an die Nieren: AA-Amyloidose

Das könnte Sie auch interessieren
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?

Euglykämische diabetische Ketoazidose

Kasuitik: Seltene Nebenwirkung unter SGLT2-Hemmern

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Ein Mann niest und putzt sich die Nase.

© Dragana Gordic / stock.adobe.com

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Auch 2024 war die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen in Deutschland insgesamt erneut leicht rückläufig

© Rosi / stock.adobe.com / Generated with AI

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin