Lithium bei bipolarer Störung - die Dosierung macht’s!

BERLIN (grue/mut). Lithiumsalze haben sich seit Jahrzehnten bei akuten Manien bewährt. Sie schützen Patienten mit bipolaren Erkrankungen aber auch vor Rückfällen und gehören zu den besten antisuizidalen Substanzen. Die Dosierung ist jedoch nicht ganz einfach.

Veröffentlicht:

Die akut-antimanische Wirkung von Lithium wurde vor über 50 Jahren entdeckt. Außer bei akuter Manie als Hauptindikation wird Lithium heute auch zur Phasenprophylaxe verwendet. Wegen seiner guten antisuizidalen Wirkung ist es ist es zudem Mittel der Wahl etwa bei Patienten mit bipolarer Erkrankung und hoher Suizidgefahr.

Moderne Antidepressiva, Antikonvulsiva und Neuroleptika seien bei vielen Patienten kein adäquater Ersatz für die Substanz, sagte Dr. Anne Berghöfer von der Charité Berlin beim Psychiatrie-Kongress in Berlin. Gründe für die oft zurückhaltende Verordnung von Lithium sind etwa ein geringes therapeutisches Fenster und die Angst vor unerwünschten Wirkungen. Zudem ist Lithium bei manisch-depressiven Mischzuständen weniger gut wirksam als bei klassischen Manien.

Unerwünschte Wirkungen von Lithium seien aber meist kein Grund, die Therapie abzusetzen, sagte Dr. Christian Simhandl aus Neunkirchen in Österreich. Bei der Theapie seien aber einige Punkte zu beachten:

  • Wer Lithium einnimmt, muss viel trinken, weil das Salz Wasser bindet.
  • Bei anhaltendem Durstgefühl, Gewichtsanstieg und Tremor muss die Dosis reduziert werden.
  • Auf weitere Medikamente mit Einfluss auf den Wasser- und Elektrolythaushalt sollte man möglichst verzichten. Gleiches gilt für nephrotoxische Substanzen, weil Lithium die Nieren belastet.
  • Der Lithium-Plasmaspiegel sollte etwa 0,6 bis 0,8 mmol/l betragen.
  • Bei etwa sieben Prozent der Patienten entwicklelt sich nach ein bis drei Jahren eine euthyreote Struma, das ist aber keine Kontraindikation.

Um die Therapie noch verträglicher zu machen, werden Dosismodifikationen diskutiert. "Zur Prophylaxe und Therapie bei manischen Episoden sind vermutlich höhere Lithiumspiegel nötig als zur Verhütung depressiver Rückfälle", so Professor Waldemar Greil aus Zürich. Abrupte Dosisänderungen sollten unbedingt vermieden werden, etwa der Wechsel von einer hohen Anfangsdosierung auf eine niedrig dosierte Dauertherapie. "Das würde eine Manie begünstigen", sagte der Psychiater.

Lithium wird auch bei nicht-psychiatrischen Erkrankungen wie Cluster-Kopfschmerz oder viraler Herpes-Infektion geprüft.

Mehr zum Thema

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

Kommentar zum Mundgeruch

Halitosis sollte kein Tabu sein

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praktische Tipps

Beratungsfall Patientenverfügung – worauf es ankommt

Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht