Innere Medizin

Lithium bei bipolarer Störung - die Dosierung macht’s!

BERLIN (grue/mut). Lithiumsalze haben sich seit Jahrzehnten bei akuten Manien bewährt. Sie schützen Patienten mit bipolaren Erkrankungen aber auch vor Rückfällen und gehören zu den besten antisuizidalen Substanzen. Die Dosierung ist jedoch nicht ganz einfach.

Veröffentlicht: 05.02.2007, 08:00 Uhr

Die akut-antimanische Wirkung von Lithium wurde vor über 50 Jahren entdeckt. Außer bei akuter Manie als Hauptindikation wird Lithium heute auch zur Phasenprophylaxe verwendet. Wegen seiner guten antisuizidalen Wirkung ist es ist es zudem Mittel der Wahl etwa bei Patienten mit bipolarer Erkrankung und hoher Suizidgefahr.

Moderne Antidepressiva, Antikonvulsiva und Neuroleptika seien bei vielen Patienten kein adäquater Ersatz für die Substanz, sagte Dr. Anne Berghöfer von der Charité Berlin beim Psychiatrie-Kongress in Berlin. Gründe für die oft zurückhaltende Verordnung von Lithium sind etwa ein geringes therapeutisches Fenster und die Angst vor unerwünschten Wirkungen. Zudem ist Lithium bei manisch-depressiven Mischzuständen weniger gut wirksam als bei klassischen Manien.

Unerwünschte Wirkungen von Lithium seien aber meist kein Grund, die Therapie abzusetzen, sagte Dr. Christian Simhandl aus Neunkirchen in Österreich. Bei der Theapie seien aber einige Punkte zu beachten:

  • Wer Lithium einnimmt, muss viel trinken, weil das Salz Wasser bindet.
  • Bei anhaltendem Durstgefühl, Gewichtsanstieg und Tremor muss die Dosis reduziert werden.
  • Auf weitere Medikamente mit Einfluss auf den Wasser- und Elektrolythaushalt sollte man möglichst verzichten. Gleiches gilt für nephrotoxische Substanzen, weil Lithium die Nieren belastet.
  • Der Lithium-Plasmaspiegel sollte etwa 0,6 bis 0,8 mmol/l betragen.
  • Bei etwa sieben Prozent der Patienten entwicklelt sich nach ein bis drei Jahren eine euthyreote Struma, das ist aber keine Kontraindikation.

Um die Therapie noch verträglicher zu machen, werden Dosismodifikationen diskutiert. "Zur Prophylaxe und Therapie bei manischen Episoden sind vermutlich höhere Lithiumspiegel nötig als zur Verhütung depressiver Rückfälle", so Professor Waldemar Greil aus Zürich. Abrupte Dosisänderungen sollten unbedingt vermieden werden, etwa der Wechsel von einer hohen Anfangsdosierung auf eine niedrig dosierte Dauertherapie. "Das würde eine Manie begünstigen", sagte der Psychiater.

Lithium wird auch bei nicht-psychiatrischen Erkrankungen wie Cluster-Kopfschmerz oder viraler Herpes-Infektion geprüft.

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