Ärzte Zeitung online, 19.04.2018

Hohe Scheidungsrate

Nach Bariatrischer Op schwinden nicht nur die Pfunde

Nach einer bariatrischen Chirurgie werden offenbar nicht nur die Patienten, sondern bisweilen auch die Bande zum Lebenspartner dünner. Viele Beziehungen scheitern. Doch wo vorher keine war, keimt nach der Operation öfter eine neue.

Von Robert Bublak

Nach Bariatrischer Op schwinden nicht nur die Pfunde

Nach einer bariatrischen Op könnten sich die Wege trennen: Viele Adipöse verlassen im Anschluss ihre Partner.

© marilyn barbone / Fotolia

STOCKHOLM. Die verschiedenen Maßnahmen, krankhaftem Übergewicht chirurgisch zu Leibe zu rücken – sei es mit Magenband, Gastroplastik oder Magenbypass –, sind durchaus erfolgreich, was dauerhaften Gewichtsverlust und die Prävention Adipositas-assoziierter Erkrankungen betrifft. Doch so gut die körperlichen Folgen erforscht sind, so wenig ist über die psychosozialen Auswirkungen der bariatrischen Chirurgie bekannt.

Besonders wenig weiß man darüber, wie die gewichtsreduzierenden Eingriffe die Dynamik von Partnerbeziehungen beeinflussen. Frühere Hinweise, wonach es nach bariatrischen Interventionen gehäuft zu Ehescheidungen kommt, wurden mit den postoperativen Nachwehen erklärt, an denen zuvor schon schlecht funktionierende Beziehungen endgültig zerschellen. Das scheint aber nicht die ganze Wahrheit zu sein, wie auch eine Untersuchung ergeben hat, die Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm vorgelegt haben (JAMA Surg 2018; online 28. März).

Mehr Scheidungen bei Operierten

Dr. Gustaf Bruze und seine Kollegen analysierten darin die Daten zweier Kohortenstudien, der SOS (Swedish Obese Subjects)-Studie und des Registers SOReg (Scandinavian Obesity Surgery Registry). SOS verglich 1958 bariatrisch operierte Patienten mit 1912 gematchten adipösen Kontrollpersonen während eines medianen Follow-up von zehn Jahren.

35% höher lag drei Jahre nach der Op die Rate der Neuvermählungen bei den Operierten im Vergleich mit den nicht-operierten Adipösen in der SOReg-Studie.

In dieser Zeit stieg die Scheidungs- beziehungsweise Trennungsrate in der Gruppe der operierten Patienten im Vergleich zu den nicht-operierten Adipösen um 28 Prozent. Zugleich fanden im Vergleich mit nicht-operierten Singles rund doppelt so viele operierte Singles einen neuen Lebenspartner.

Diese Ergebnisse wurden von der Analyse der SOReg-Daten dem Trend nach bestätigt. Für SOReg wurden mehr als 29.000 Patienten nach Anlage eines Magenbypasses mit über 280.000 Personen aus der Allgemeinpopulation verglichen.

Neue Romanzen beginnen

Die Scheidungsquote unter den Operierten lag während der knapp dreijährigen Nachbeobachtung um 41 Prozent und der Anteil der Neuvermählten um 35 Prozent höher. Sowohl in SOS wie in SOReg zeigte sich, dass die Veränderungen im Beziehungsstatus umso ausgeprägter waren, je mehr Gewicht die Betroffenen verloren.

Die Adipositas-Chirurgie scheint demnach nicht nur in den Körper, sondern auch ins Leben der Patienten bis hinein in deren Partnerbeziehungen einzugreifen. Dass sich neue Romanzen zusammenfinden, mag dabei weniger überraschen, weil das oft als ein Motiv fungiert, sich überhaupt operieren zu lassen.

Doch für manche bestehende Beziehung sind die Folgen des Eingriffs womöglich zu belastend – sei es, dass neu gewonnenes Selbstvertrauen einen vorher nicht gewagten Ausbruch erlaubt, sei es, dass dem Partner mit den Veränderungen des Gegenübers Gewohntes und vielleicht Liebgewonnenes verloren geht.

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