Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

Neun Fragen beantwortet

Erste europäische Leitlinie zu Bronchiektasen

Antworten auf die neun wichtigsten Fragen in der Praxis gibt die neue Leitlinie zum Management von Bronchiektasen der European Respiratory Society. Die Experten sprechen sich gegen eine längerfristige antientzündliche Therapie aus. Im Fokus stehen die Empfehlungen zur Antibiotika-Therapie.

Von Roland Fath

Neun Fragen beantwortet: Erste europäische Leitliniezu Bronchiektasen

Diagnose von Bronchiektasen: Validierte CT-Scores gibt es noch nicht.

© K. Sutyagin / stock.adobe.com

Die European Respiratory Society (ERS) hat erstmals europäische Empfehlungen zum Management von Bronchiektasen bei Erwachsenen erarbeitet – es ist die erste internationale Leitlinie überhaupt zu dieser Erkrankung. Beantwortet werden neun Fragen zum Management von Bronchiektasen bei symptomatischen erwachsenen Patienten – zu den empfohlenen Laboruntersuchungen, zur Pharmakotherapie, zur Physiotherapie und eventuell chirurgischen Maßnahmen. Die meisten Empfehlungen stehen allerdings auf schwachen Beinen, da die Datenlage häufig begrenzt ist. Das Ziel: durch eine Verbesserung der Versorgungsqualität die Progression der Erkrankung zu stoppen und die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Als besonders wichtig wird dabei die Vermeidung von Exazerbationen hervorgehoben. Vorgestellt wurde die Leitlinie bei der Jahrestagung der ERS; zeitgleich erfolgte die Veröffentlichung im "European Respiratory Journal" (Eur Respir J 2017; 50: 1700629).

"Bronchiektasen sind eine chronische Erkrankung, die bei vielen Patienten mit einer schlechten Lebensqualität und häufigen Exazerbationen einhergeht", heißt es in der Leitlinie. Klinische Charakteristika der Erkrankung sind Husten, Auswurf, Atemnot und eine bronchiale Infektion, meistens ausgelöst durch Haemophilus influenzae oder Pseudomonas aeruginosa, seltener durch Moraxella catarrhalis, Staphylococcus aureus und Enterobakterien.

Die Diagnose erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten. Zusätzlich zu mindestens zwei klinischen Kriterien wie Husten und Auswurf an den meisten Tagen ist laut europäischem Konsens der radiologische Nachweis von anomal und permanent dilatierten Bronchien erforderlich, berichtete einer der Leitlinienautoren, Professor Stefano Aliberti aus Mailand, beim ERS-Kongress. Leider gebe es dafür noch keine validierten CT-Scores, so der Lungenfacharzt.

Wie weiter nach der Diagnose?

Steht die Diagnose Bronchiektase, werden in der Leitlinie als weitere standardisierte Labortests ein Differenzialblutbild, die Bestimmung von Immunglobulinen im Serum und die Abklärung einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) empfohlen. Zur Wahl des Antibiotikaregimes und zur Verlaufskontrolle der Bronchialinfektion sind Sputumkulturen sinnvoll. Weitere Tests kommen bei spezifischen klinischen Merkmalen der Patienten oder schwerer oder rasch progredienter Erkrankung infrage.

In der Pharmakotherapie stehen Antibiotika im Fokus. Zur Behandlung einer akuten Exazerbation wird eine Antibiotikatherapie über 14 Tage als Standard empfohlen, die in ausgewählten Fällen aber auch kürzer oder länger ausfallen kann. Nach Nachweis einer P. aeruginosa-Infektion wird eine Eradikationstherapie empfohlen und bei Patienten mit drei und mehr Exazerbationen pro Jahr eine langfristige Antibiotikatherapie zur Prophylaxe.

Das Regime hängt dabei von der Keimbesiedelung ab. Bei Patienten mit P. aeruginosa-Infektion wird zur langfristigen inhalativen Antibiotikatherapie geraten, bei nicht ausreichender Wirksamkeit in Kombination mit oralen Antibiotika. Bei allen anderen Keim ist eine Makrolid-Monotherapie erste Wahl, bevor bei Bedarf eskaliert werden sollte. Vor einer Langzeitbehandlung mit Makroliden sollte eine Infektion mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien ausgeschlossen werden, da sonst Resistenzen der Erreger gefördert werden könnten.

Antientzündliche Therapie steht im Hintergrund

Die antiinflammatorische Therapie steht eindeutig im Hintergrund. Die Expertengruppe empfiehlt weder eine Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden bei Bronchiektasen (der Einsatz bei Patienten mit Asthma oder COPD ist davon nicht betroffen) noch mit Statinen. Eine Langzeittherapie mit mukoaktiven Substanzen (≥ 3 Monate) kommt bei Patienten mit Problemen beim Abhusten von Sputum und schlechter Lebensqualität infrage. Die Langzeitgabe von Bronchodilatatoren gehört nicht zur Routine, sondern sollte Patienten mit signifikanter Atemnot auf individueller Basis angeboten werden.

Eine regelmäßige Physiotherapie (Techniken zur Clearance der Atemwege, Lungenreha) wird bei Patienten mit chronischen produktivem Husten und Schwierigkeiten beim Abhusten als sinnvolle Option genannt. Chirurgische Interventionen zählen zu den letzten Optionen und sollten nur bei Patienten mit lokaler Erkrankung und hoher Exazerbationsfrequenz trotz optimierter Therapie erwogen werden.

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