Direkt zum Inhaltsbereich

Bei ambulanter Pneumonie reicht Schmalspurantibiose

JENA (eis). Die häufigsten Erreger ambulant erworbener Pneumonien sind mit großem Abstand Pneumokokken, bestätigt eine Studie. Zur Prävention ist die Impfung zu empfehlen, und bei der Therapie von Patienten ohne Risikofaktoren reicht eine Schmalspurantibiose aus.

Veröffentlicht:
Von Pneumoniekranken ohne Risikofaktoren sterben unter ein Prozent.

Von Pneumoniekranken ohne Risikofaktoren sterben unter ein Prozent.

© AOK-Mediendienst

In Deutschland erkranken jährlich 370 bis 1010 von 100.000 Einwohnern an einer "community acquired pneumonia" (CAP), berichten Privatdozent Mathias W. Pletz von der Uniklinik Jena und seine Kollegen vom CAPNETZ. Daten aus Stichproben zu CAP aus Praxen und Kliniken hat das Kompetenznetz jetzt vorgestellt (DMW 2011; 136: 775).

Nach den Daten waren knapp zwei Drittel der jährlich etwa 200.000 Pneumoniekranken in der Klinik über 70 Jahre alt. 1,5 Prozent der unter 40-Jährigen aber 19 Prozent der über 80-Jährigen sind daran gestorben. Chronisch Kranken jeden Alters und Menschen über 65 wird zur Pneumokokken-Impfung geraten.

Eine Klinikeinweisung ist zu erwägen wenn bei Pneumoniekranken ein Kriterium des CRB-65-Score zutrifft: C steht für "confusion" (Verwirrtheit), R für "respiratory rate" (Atemfrequenz) über 30/min, B für blood pressure unter 90 mmHg und 65 für Alter über 65.

Die häufigsten Erreger bei CAP sind mit über 40 Prozent Pneumokokken. Mykoplasmen werden bei knapp sieben Prozent gefunden, allerdings meist bei jüngeren Patienten mit milder Pneumonie. Eine generelle empirische Antibiose gegen atypische Keime wird bei leicht erkrankten ambulanten Patienten nicht empfohlen.

Die Forscher raten zu Amoxicillin; Makrolide seien hier wegen Resistenzen nur zweite Wahl.

Legionellen werden bei 3,4 Prozent von CAP gefunden. Von den Risikopatienten mit diesen Erregern sterben knapp 19 Prozent. In der Klinik sollten daher diese Keime miterfasst werden, etwa mit Betalaktam-Antibiotikum plus Makrolid oder einem respiratorischen Fluorchinolon.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Für ausgewählte Patienten

Transplantation als Chance beim Lungenkarzinom?

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Woman with diabetes standing on top of the hill and looking at camera

© Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Kommentare
Dr. Oliver Braune 15.06.201114:42 Uhr

Beschiebenes Vorgehen im Einzelfall problematisch

Im lezten Jahr erkrankte ein Kollege unverhofft an einer CAP, entsprechend der aktuellen Leitlinen wurde keine bzw. eine Minimaldiagnostik ohne Serologie gemacht; im Ergebnis sprach (die später röntgenologisch gesicherte Pneumonie) auf Cephalosporine, dann Amoxicillin nicht an, die Kollegen in der Klinik freuten sich über seine vierwöchige Abwesenheit; erst Tavanic half dann und führte zur Genesung. Mangels Diagnostik blieb die Ursache unklar.War das Vorgehen optimal?
Nebenbei, sind Leitlinien auch politisch/ monetär beeinflusst?

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

162 Studien ausgewertet

Häufigkeit von zerebralen Aneurysmata nimmt zu

Lesetipps
Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?