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Studie mit Kindern

Erkältungen – Kein Schutz durch hoch dosiertes Vitamin D

Mit hoch dosiertem Vitamin D (2000 IU/d) lassen sich virale Infekte bei Kindern im Winterhalbjahr nicht verhindern. In einer kontrollierten Studie traten Erkältungen nicht seltener auf bei Kindern mit niedrig dosiertem Vitamin (400 IU/d).

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Ein kleines Mädchen wird wegen Erkältungssymptomen untersucht: Meist ist ein viraler Infekt die Ursache der Beschwerden.

Ein kleines Mädchen wird wegen Erkältungssymptomen untersucht: Meist ist ein viraler Infekt die Ursache der Beschwerden.

© Gina Sanders / Fotolia

TORONTO. Vitamin D ist fürs Immunsystem ohne Zweifel wichtig, ob eine Behandlung zur Infektprävention etwas nützt, ist jedoch umstritten – vor allem dann, wenn kein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel besteht.

In Studien ließen sich mit einer Vitamin-D-Supplementierung bislang keine konsistenten Ergebnisse erzielen, und eine Metaanalyse von sieben klinischen Studien fand auch speziell bei Kindern keinen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Einnahme und Erkältungsfrequenz. Die Studien waren aber oft sehr klein, dauerten nur kurz, und die Erkältungen waren meist nicht labordiagnostisch bestätigt.

Zwe verschiedene Präparate

Solche Mängel wollten Ärzte um Dr. Mary Aglipay vom St Michael's Hospital in Toronto in einer eigenen randomisiert-kontrollierten Studie vermeiden: Sie behandelten rund 700 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren über vier Wintermonate hinweg mit zwei unterschiedlichen Vitamin-D-Dosierungen (JAMA 2017; 318(3): 245–254).

Die Hälfte bekam 400 IU/d, um einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden (Standarddosis), die übrigen erhielten 2000 IU/d zur Erkältungsprävention (Hochdosis). Nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollten Kinder und Erwachsene täglich 800 IU oder 20 µg des Vitamins aufnehmen.

Wie sich zeigte, gab es mit der hohen Dosis jedoch nicht weniger viral bedingte Erkältungen als unter der niedrigen. Die Supplementierung scheint zumindest bei normalen Vitamin-D-Werten also nicht vor häufigen virusbedingten Infekten der oberen Atemwege zu schützen.

Studie in acht Praxen

An der Studie mit der Bezeichnung DO IT (vitamin D Outcomes and Interventions in Toddlers) nahmen acht pädiatrische Gemeinschaftspraxen in der Region Toronto teil. Die niedrige Vitamin-D-Dosis (Standarddosis) wurde gemäß den US-Empfehlungen für Kinder gewählt, die hohe Dosis lag im oberen noch als tolerabel definierten Bereich.

Verabreicht wurde das Vitamin von den Eltern in Tropfenform. Die Eltern sollten auch darauf achten, den Kindern keine weiteren Vitamin-D-haltigen Nahrungsergänzungsmittel zu geben. Außerdem wurden sie instruiert, bei jeder Erkältung einen Nasenabstrich zu machen. Solche Abstriche schickten sie ins Labor, wo Ärzte sie auf die wichtigsten zirkulierenden Erkältungsviren hin untersuchten.

Im Schnitt waren die Kinder 2,7 Jahre alt, nur jedes Fünfte war aktuell gegen Influenza geimpft. Die Serum-Vitamin-D-Werte lagen zum Studienbeginn im Mittel bei rund 36 ng/ml (90 nmol/l) – die meisten Kinder hatten also gute Normalwerte.

Bei einem Drittel wurden Werte unter 30 ng/ml festgestellt. In der Hochdosisgruppe lagen die Werte zum Studienende bei knapp 49 ng/ml, in der Gruppe mit Standarddosis blieben sie dagegen weitgehend konstant (37 ng/ml).

Im Laufe der Studie konnten die Ärzte 728 virale Atemwegsinfekte labordiagnostisch bestätigen – damit waren rund 82 Prozent aller eingeschickten Abstriche positiv. Sie stammten von etwas mehr als der Hälfte der Kinder, 46 Prozent kamen ohne nachgewiesene virale Infekte über den Winter.

Im Mittel traten unter der Vitamin-D-Standarddosis 1,03 virale Infekte pro Kind auf, in der Gruppe mit der Hochdosisbehandlung erkrankten die Kinder mit im Schnitt 1,05 viralen Infekten sogar noch etwas häufiger, der Unterschied erwies sich aber statistisch als nicht signifikant.

Umgerechnet auf Personenjahre waren solche Infekte in der Hochdosisgruppe etwas seltener (1,99 versus 2,04), doch auch hier verfehlte die Differenz das Signifikanzniveau.

Seltener Influenzainfekte

Die Eltern hatten jedoch nicht bei jeder Erkältung einen Nasenabstrich eingeschickt. Wurden Fragebögen ausgewertet, mit denen sie Erkältungen dokumentieren sollten, dann kam es unter der Standarddosis zu 1,91 und mit der hohen Dosis im Mittel zu 1,97 Atemwegserkrankungen pro Kind – kein bedeutsamer Unterschied.

Immerhin ein signifikantes Ergebnis kam doch zustande: So war die Influenzainzidenz in der Hochdosisgruppe nur halb so hoch wie mit der Standarddosis (16 versus 31 Erkrankungen). Da Influenzainfekte aber nur sehr selten auftraten, sehen die Forscher in dieser Reduktion keine klinische Relevanz.

Auch könnte der Zufall bei diesen niedrigen Zahlen eine große Rolle gespielt haben. Bei Infekten mit anderen Viren fanden die Ärzte um Aglipay keine bedeutsamen Unterschiede.

Unterm Strich konnten trotz eines deutlichen Anstiegs des Serum-Vitamin-D-Spiegels in der Hochdosisgruppe keine viralen Atemwegsinfekte vermieden werden. Das insgesamt negative Ergebnis schließe den Nutzen einer Vitaminsupplementierung bei Kindern mit bestimmten Erkrankungen wie Asthma nicht aus, hier gebe es Hinweise aus anderen Studien zu einer vorteilhaften Wirkung.

Bei gesunden Kindern scheint jedoch einen Supplementierung mit hoch dosiertem Vitamin D überflüssig zu sein und könne daher nicht zur Prävention viraler Erkältungen empfohlen werden, heißt es in der Publikation.

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