Ärzte Zeitung, 25.03.2004

Demenz oder Depression? Das MRT kann Klarheit schaffen

Bei therapeutischen Konsequenzen kann eine bildgebende Untersuchung indiziert sein / Blick auf Hippocampus-Region hilft dann weiter

FRANKFURT/MAIN (nsi). Bedrückt wirkende ältere Menschen, bei denen zugleich die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt - solche Patienten sehen Hausärzte oft. Ob diese Patienten unter einer beginnenden Alzheimer-Demenz leiden, die häufig zusammen mit einer depressiven Verstimmung auftritt, oder lediglich unter einer Depression, läßt sich unter Umständen nur mit bildgebenden Verfahren unterscheiden.

Solche Untersuchungen sind sinnvoll, wenn sie therapeutische Konsequenzen haben. Auch die Prognose ist unterschiedlich und für die Familie oft eine wichtige Information.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität in Frankfurt am Main bietet als eines von 14 Zentren im BMBF-geförderten Kompetenznetz Demenzen eine entsprechende Diagnostik an. Dort hat Professor Johannes Pantel die Leitung der Abteilung Gerontopsychiatrie übernommen. Pantel beschäftigt sich klinisch und wissenschaftlich unter anderem mit der Differentialdiagnostik von Demenzen und Depressionen mit spätem Beginn. Zu dem vom BMBF geförderten Frankfurter Projekt gehört auch eine Gedächtnissprechstunde am Klinikum.

In einer Studie zusammen mit Professor Johannes Schröder von der Universität Heidelberg sind 46 Patienten mit ähnlichen kognitiven Beeinträchtigungen - 19 mit Spät-Depression und 27 mit Morbus Alzheimer - sowie 13 Kontrollpersonen ähnlichen Alters aber ohne kognitive Defizite mit 3-D-Kernspintomographie untersucht worden.

Die MR-Volumetrie ergab, daß die depressiven Probanden ein geringeres Gesamt-Hirnvolumen und größere Ventrikel hatten als die gesunden Probanden. Die Volumina im frontalen Cortex, Temporallappen und im Hippocampus unterschieden sich nicht statistisch signifikant von denen der gesunden Kontrollpersonen, die hirnorganischen Veränderungen betrafen aber zum Beispiel Putamen und Basalganglien. "Zerebrovaskuläre Veränderungen, wie wir sie gefunden haben, gehören zu den Risikofaktoren für Depressionen", sagte Pantel der "Ärzte Zeitung".

Bei den Alzheimer-Kranken fanden die Wissenschaftler sowohl im Vergleich zu den Personen der Kontrollgruppe als auch im Vergleich mit den Patienten mit Depressionen deutlich geringere Hirnvolumina, auch im Bereich des Hippocampus. Eine volumetrische Messung der Hippocampus-Region könne diagnostisch sinnvoll sein, folgern Pantel und seine Kollegen. Und: Eine Depression bei Älteren sei nicht generell als Vorbote einer Demenz zu werten.

Die Differentialdiagnose habe praktische Bedeutung, sagt Pantel. Bei einer beginnenden Alzheimer- Demenz würde man ein Antidementivum geben, eventuell kombiniert mit einem Antidepressivum, wenn der Patient unter gedrückter Stimmung leide. Auch würde mit den Angehörigen über den Verlauf der Krankheit gesprochen. Bei einer Depression liege der therapeutische Schwerpunkt auf einer medikamentösen antidepressiven und psychotherapeutischen Behandlung.

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