Ärzte Zeitung, 19.03.2018

Kognitive Störungen

Wann ist eine MRT indiziert?

Nicht einmal jeder zweite Demenzkranke wird als solcher vom Hausarzt erkannt. Das muss sich ändern, fordert die Deutsche Gesellschaft für Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung. Eine MRT könne dabei helfen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. "Wenn wir von Frühdiagnose der Alzheimer-Erkrankung reden, dann reden wir nicht über Menschen mit wenig Beschwerden. Es geht darum, manifest kranke Patienten zu erkennen."

Auf die Bedeutung einer besseren Diagnostik bei Demenz hat Professor Stefan Teipel vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) bei der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) in Berlin hingewiesen.

"Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern bei einer DZNE-Studie knapp 7000 Patienten im Alter von 70 Jahren in 136 Hausarztpraxen gescreent. Rund 1400 erfüllten die Demenzkriterien der Leitlinien, und nur bei vier von zehn dieser Patienten war die Demenz diagnostiziert."

"MRT kann diagnostische Genauigkeit erhöhen"

Die Diagnose sei aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen sollten diese Patienten nicht mehr Auto fahren, was viele noch täten.

Zum anderen könne ihnen geholfen werden, wenn die aus anderen Gründen oft bestehende Medikation so umgestellt werde, dass kognitiv schädliche Medikamente vermieden werden.

Natürlich ist die Diagnose auch Voraussetzung für die Verordnung von Antidementiva. Sie ist aber auch Voraussetzung für einen Zugang zu Pflegeleistungen.

Die Diagnose könne in der Regel klinisch gestellt werden, so Teipel. Zusätzlich kommt eine MRT-Untersuchung in Betracht, bei der heute weitgehend automatisiert und damit relativ kostengünstig das Volumen des Hippocampus ausgemessen wird.

Ohne klinische Symptome sind Prognosen zur Demenzentwicklung über die nächsten fünf Jahre mit hoher Unsicherheit behaftet und daher für die Betroffenen nicht hilfreich.

Professor Stefan Teipel, Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen

"Die MRT kann die diagnostische Genauigkeit erhöhen; sie hat aber bei Patienten, die gut hausärztlich versorgt werden, derzeit nur begrenzten Zusatznutzen", sagte Teipel.

Hilfreich könne die MRT dagegen bei Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen (MCI) sein, so der Experte: "Das ist die ideale Zielgruppe für eine Untersuchung in einer Memory-Clinic."

MRT-Screening wird abgelehnt

Fänden sich bei diesen Patienten Auffälligkeiten im Hippocampus-Volumen, dann sei das Risiko einer Demenz innerhalb von drei Jahren dreimal so hoch wie bei MCI-Patienten mit unauffälligem Hippocampus.

Zudem erlaube die zerebrale MRT Aussagen über die vaskuläre Situation und natürlich über Raumforderungen, die im Einzelfall ebenfalls Gedächtnisstörungen verursachen können.

Definitiv nicht indiziert sei außerhalb von klinischen Studien zum derzeitigen Zeitpunkt ein MRT-Screening von Menschen ohne größere Gedächtnisprobleme: "Das ist mittlerweile zu einem Geschäftsmodell geworden, und wir lehnen das ab", so Teipel.

Ohne klinische Symptome seien Prognosen zur Demenzentwicklung über die nächsten fünf Jahre mit hoher Unsicherheit behaftet und daher für die Betroffenen nicht hilfreich.

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