Ärzte Zeitung, 11.02.2008

KOMMENTAR

Diabetiker brauchen konsequente Therapie

Von Wolfgang Geissel

Neue Studienergebnisse zur Therapie von Typ-2-Diabetikern scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen: In der ACCORD-Studie war eine intensive antidiabetische Therapie bei Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko mit einer erhöhten Sterberate verknüpft. Ein Teil der Studie wurde daher abgebrochen. In einer neuen Analyse der Steno-2-Studie hingegen senkte eine strikte antidiabetische Therapie plus scharfer Einstellung von Blutdruck und Blutfetten bei Typ-2-Diabetikern mit Mikroalbuminurie die Sterberate drastisch.

STENO-2 bestätigt damit, wie wichtig es ist, bei Diabetikern so früh wie möglich gegen alle Risikofaktoren vorzugehen. Jeder zweite Diabetiker mit Mikroalbuminurie war in der Untersuchung trotz konventioneller Therapie binnen 13 Jahren gestorben. Die Sterberate ist damit ähnlich hoch wie bei mancher Krebserkrankung. Und: Das Risiko, vorzeitig zu sterben, kann stark gesenkt werden mit Antidiabetika, Lipidsenkern, Blockade des Renin-Angiotensin-Systems zur Blutdrucksenkung und zum Nierenschutz sowie einer Plättchenaggregationshemmung.

Warum in der ACCORD-Studie eine stärker als übliche Blutzuckersenkung das Sterberisiko an Herzkreislauf-Krankheiten nicht senkt, sondern sogar etwas erhöht, ist unklar.

Kollegen sind deshalb gut beraten, wenn sie HbA1c-Werte unter 7 und nicht unter 6 Prozent anstreben und gleichzeitig Risiken wie Hypertonie und Hyperlipidämie im Auge haben.

Lesen Sie dazu auch:
Frühe strikte Therapie rettet Diabetiker-Leben

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