Ärzte Zeitung, 15.03.2010

Niedriger Blutdruck bringt Diabetikern keinen Vorteil

Niedriger Blutdruck bringt Diabetikern keinen Vorteil

ACCORD-Studie stützt Ziel unter 120 mmHg nicht

ATLANTA (ob). Zwei neue Therapiestrategien bei Typ-2-Diabetes haben die in sie gesetzten Hoffnungen in einer großen Studie nicht erfüllt: Weder die Intensivierung der Blutdrucksenkung noch die der Lipidtherapie mit einem Fibrat führten zu weiterer Reduktion von Gefäßereignissen.

Überraschend sind die - leider enttäuschenden - Ergebnisse des Blutdrucksenkerarms der Studie ACCORD. Hier ist geprüft worden, ob eine "Normalisierung" des systolischen Blutdrucks (Zielwert unter 120 mmHg) im Vergleich zu einer weniger strikten Einstellung (Blutdruck unter 140 mmHg) klinisch von Vorteil ist. Trotz eines deutlichen Unterschieds in den Blutdruckwerten zwischen beiden Gruppen resultierte aus der stärkeren Blutdrucksenkung am Ende kein signifikanter Unterschied bei den kardiovaskulären Ereignissen.

Enttäuschend auch die Ergebnisse des Lipidarmes der Studie: Mit dem Ziel, Hochrisikopatienten noch besser vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen, wurde darin der klinische Nutzen eines Fibrats (Fenofibrat) bei bereits mit Statinen behandelten Typ-2-Diabetikern geprüft.

Nach knapp fünfjähriger Therapie war die jährliche Rate primärer Endpunktereignisse (Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) mit 2,2 Prozent (Fenofibrat) und 2,4 Prozent (Placebo) nicht signifikant unterschiedlich, so das beim ACC-Kongress in Atlanta präsentierte Hauptergebnis. Allerdings schienen Patienten mit ausgeprägter diabetischer Dyslipidämie (sehr niedriges HDL-Cholesterin, hohe Triglyzeride) vom Fibrat profitiert zu haben.

Zu den Volltexten der Originalpublikationen:
"Effects of Combination Lipid Therapy in Type 2 Diabetes Mellitus"
"Effects of Intensive Blood-Pressure Control in Type 2 Diabetes Mellitus"
"ACCORD and Risk-Factor Control in Type 2 Diabetes"

 

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Hoffnung auf besseren Herzinfarkt-Schutz für Diabetiker erhält einen Dämpfer

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die Grenzen bei Diabetikern

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