Ärzte Zeitung online, 10.08.2012

Diabetes

Anti-Stress-Training reduziert Risiken

Ein spezielles Anti-Stress-Training hilft Zuckerkranken, ihre Krankheit besser zu verarbeiten. Dies könnte langfristig die Prognose verbessern, wie erste Ergebnisse einer Heidelberger Diabetes-Studie nahelegen.

Anti-Stress-Training reduziert Risiken

Stress: Kein guter Begleiter eines Diabetes.

© Oliver Berg / dpa

HEIDELBERG (eb). In der Heidelberger Diabetes und Stress-Studie (HeiDis) wird der Effekt eines Programms zur Stressreduktion bei Diabetes untersucht (Psychother Psych Med 2010; 60: 185).

Teilnehmer sind 110 Patienten, die bereits seit Jahren an Diabetes erkrankt sind. Solche Patienten erleben oft ihre Krankheit als bedrohlich; Ängste und Depressionen treten häufig auf, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsklinik.

Das wiederum wirkt sich negativ auf die Therapie und das Risiko für Komplikationen wie mikro- und makrovaskuläre Schäden aus.

Das Antistress-Programm zielt durch Erhöhung der Achtsamkeit darauf ab, dass die Patienten ihre Krankheit besser akzeptieren und sich darüber austauschen.

In acht wöchentlichen Abendtreffen, die jeweils von einer Psychologin und einer Ärztin gemeinsam geleitet werden, lernen die Patienten zum Beispiel Atem- und Meditationsübungen oder wie sie Hypoglykämien und andere kritische Situationen beherrschen können.

Erste Ergebnisse ein Jahr nach der Intervention zeigen nun, dass die Teilnehmer nach der Gruppentherapie seltener an Depressionen litten als vorher (Diabetes Care 2012; 35: 945).

Auch hatte sich ihr körperlicher Zustand verbessert; hoher Blutdruck und weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren waren verringert worden. Allerdings hatte sich die Albuminurie - als Parameter nachlassender Nierenfunktion nicht verändert.

Bei einer unbehandelten Kontrollgruppe hatten sich hier die Werte aber weiter verschlechtert.

"Eine zuverlässige Aussage über den Effekt der Therapie auf den physischen Zustand ist erst nach Abschluss der Studie in vier Jahren möglich", betont Professor Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Klinikums, in der Mitteilung.

"Wir sind aber schon jetzt sicher, dass die psychische Situation der zuckerkranken Patienten durch ein wöchentliches Antistress-Programm verbessert werden kann."

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