Ärzte Zeitung online, 26.10.2016

Mechanismus entdeckt

So kommt's zum Angriff auf die Betazellen im Pankreas

MÜNCHEN. Bei Diabetes vom Typ-1 bekämpft der Körper die eigenen Insulin produzierenden Zellen. Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, und ihre Kollegen von der TU München haben nun im Fachjournal "PNAS" (2016; online 10. Oktober) einen Mechanismus vorgestellt, wie das Immunsystem diesen Angriff vorbereitet, teilt das Helmholtz Zentrum München mit.

"Wir konnten erstmalig zeigen, dass bei betroffenen Kindern zu Beginn der Autoimmunreaktion eine erhöhte Anzahl von speziellen Immunzellen im Blut zu finden ist", wird Studienleiterin Dr. Carolin Daniel, Institut für Diabetesforschung (IDF) des Helmholtz Zentrums München in der Mitteilung zitiert.

Kinderblut untersucht

Sie und ihr Team hatten Blutproben von Kindern untersucht, die IDF-Direktorin Professor Anette-Gabriele Ziegler im Rahmen von großen Kohortenstudien gewonnen hatte. Der Mitteilung zufolge handelt es sich bei den Immunzellen um Insulin-spezifische, follikuläre T-Helferzellen (TFH).

Sie kommen unter anderem in den Lymphknoten vor und leiten Angriffe des Immunsystems ein, indem sie beispielsweise die Produktion von Antikörpern durch die B-Zellen fördern.

Nun fanden die Wissenschaftler sie vermehrt in den Proben der Kinder mit Inselzellautoimmunität – einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes. Auf der Suche nach den Ursachen für den plötzlichen Anstieg der TFH-Zellen deckten die Wissenschaftler einen bisher unbekannten Signalweg auf.

"Unsere Analysen ergaben, dass ein als miRNA92a bekanntes Molekül den Anstoß für eine Kette von molekularen Ereignissen gibt, an deren Ende der Anstieg dieser Immunzellen steht", wird IDF-Doktorandin Isabelle Serr in der Mitteilungzitiert. "Auf dem Weg dorthin verhindert miRNA92a vor allem, dass wichtige Signalproteine wie KLF2 und PTEN gebildet werden."

Können Ärzte Mechanismus gegen Diabetes einsetzen?

Um zu überprüfen, ob sich dieser neu entdeckte Mechanismus zur therapeutischen Einflussnahme eignet, untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung eines antagomir, ein Molekül, das spezifisch an miRNA92a bindet und deren Wirkung blockiert.

In einem Versuchsmodell von Typ-1-Diabetes und im humanisierten Modell führte diese Behandlung zu einer deutlich geringeren Autoimmunreaktion. Die gezielte Inhibierung von miRNA92a oder des nachgeschalteten Signalweges könnten neue Möglichkeiten für die Prävention von Typ-1-Diabetes eröffnen, heißt es in der Mitteilung. (eb)

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