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Diabetes

Postprandialer Blutzucker im Fokus

Der in aller Regel progrediente Verlauf des Diabetes Typ 2 bringt es mit sich, dass die Therapie im Laufe der Zeit angepasst und intensiviert werden muss. Ein Patientenbeispiel zeigt, wie die Blutzuckereinstellung optimiert werden kann.

Von Silke Wedekind Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Ein Faktor, der bei der Therapieplanung bei Typ-2-Diabetes berücksichtigt werden sollte, ist die Kontrolle postprandialer Blutzuckerspitzen, sagte Dr. Marcel Kaiser, niedergelassener Internist in Frankfurt / Main. "Es ist altes diabetologisches Denken, erst dann auf den postprandialen Blutzuckerwert zu schauen, wenn der HbA1c-Zielwert des Patienten nicht erreicht wird", kritisierte der Diabetologe.

Dass es wichtig ist, postprandiale Blutzuckerspitzen so früh wie möglich als Ursache einer schlechten Stoffwechseleinstellung ins Kalkül zu ziehen, illustrierte Kaiser bei einer von NovoNordisk unterstützten Veranstaltung anhand eines Patientenbeispiels aus seiner Praxis.

Unter der Therapie mit drei oralen Antidiabetika zeigte Herr L. bei der Erstvorstellung im Februar 2016 zwar einen guten Nüchternblutzuckerwert, seine postprandialen Werte nach den abendlichen Mahlzeiten waren jedoch sehr hoch. Da der Patient unter der Behandlung mit einem SGLT2 (Natrium-Glukose- Kotransporter 2)-Hemmer über Jucken beziehungsweise Brennen der Urethra klagte, wurde dieses Medikament abgesetzt und stattdessen eine Insulintherapie mit Insulin aspart (NovoRapid®) zur Hauptmahlzeit abends begonnen. Unter dieser Behandlungsstrategie wurde bis Mai 2016 allerdings auch keine befriedigende, langfristige glykämische Kontrolle erreicht, der HbA1c-Wert betrug 7,6 Prozent, und die postprandialen Werte blieben hoch.

Daraufhin wurde die Behandlung mit Metformin und dem Dipeptidylpeptidase (DPP)-4-Inhibitor weitergeführt, Insulin aspart aber präprandial zu jeder Mahlzeit gegeben. Zusätzlich erhielt der Patient einmal täglich 20 mg Atorvastatin. "Unter dieser Behandlung erreicht Herr L. jetzt einen HbA1c-Wert von 6,7 Prozent, sein mittlerer Blutglukosegehalt beträgt 146 mg / dl, und die zuvor erhöhten Blutfettwerte haben sich normalisiert", berichtete Kaiser.

Die Kasuistik belegt eindrücklich, dass hohe postprandiale Glukosewerte bei guten präprandialen Blutzuckerwerten eine Erklärung für das Nicht-Erreichen des HbA1c-Zielwerts sein können. "Als Praktiker sollte man spätestens dann, wenn der HbA1c-Zielwert bei einem Patienten unter Therapie mit zwei oralen Antidiabetika nicht erreicht wird, die postprandialen Blutzuckerwerte engmaschig kontrollieren. Nicht zuletzt bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten wie Herrn L. ist die konsequente Kontrolle ein wesentlicher Teil der Therapie", so das Fazit des Diabetologen.

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