Diabetes

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Der Diabetespatient in der Notfallversorgung – Synopsis für den ambulanten Sektor, den Rettungsdienst und die Notaufnahme

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 28.06.2018

Automatisch gesteuerte Insulinabgabe

Künstliches Pankreas bewährt sich bei Diabetes in der Klinik

Typ-2-Diabetiker im Krankenhaus profitieren von einem künstlichen Pankreas. Die automatisch gesteuerte Insulinabgabe verbessert die Blutzuckereinstellung, so eine Studie.

Von Wolfgang Geissel

123a0102_8028732-A.jpg

Komponenten des künstlichen Pankreas: Die Pumpe gibt automatisch nach einem Algorithmus das Insulin ab.

©Inselspital, Universitätsspit

BERN. In Deutschland hat etwa jeder dritte Patient im Krankenhaus die Nebendiagnose Diabetes. Die Blutzucker-Einstellung bei ihnen ist schwierig: Akute Krankheiten, veränderte Kost, Medikamente und medizinischen Behandlungen verändern den Insulinbedarf ständig. Die Folge sind stark schwankende Blutzuckerwerte, was wiederum Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Infektionen begünstigt.

Ärzte aus England und der Schweiz um Dr. Lia Bally vom Universitätsspital Bern haben nun untersucht, ob sich mit einem künstlichen Pankreas die Stoffwechseleinstellung von Typ-2-Diabetikern im Krankenhaus verbessern lässt. In einem geschlossenen Kreis von Zuckermessgerät und Insulinpumpe ("closed loop") drosselt oder steigert die Pumpe anhand der ermittelten Glukosewerte automatisch die Insulinabgabe. Ein Kontrollalgorithmus reguliert dabei die Insulinzufuhr bedarfsgerecht je nach Glukosewert. Damit wird eine optimierte Einstellung des Diabetes unter Vermeidung von Hyper- und Hypoglykämien möglich. Das System kann binnen 15 Minuten installiert werden und übernimmt die Blutzuckereinstellung autonom, berichtet das Universitätsspital Bern in einer Mitteilung.

An der Studie nahmen 136 stationäre Patienten mit Typ-2-Diabetes und Insulintherapie in Bern und Cambridge teil. Die Patienten erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder die herkömmliche Versorgung mit manuellen Blutzuckermessungen und Injektionen des Hormons, oder der Blutzucker wurde mit dem künstlichen Pankreas reguliert. Die Patienten wurden bis 15 Tage oder bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus behandelt. Die Ergebnisse sind jetzt beim amerikanischen Diabeteskongress (ADA) in Orlando und im "New England Journal of Medicine" vorgestellt worden (NEJM 2018; online 25. Juni).

"Das künstliche Pankreas erwies sich als wirksam, praktikabel und sicher im Krankenhaus einsetzbar", berichten die Ärzte. Die Blutzuckereinstellung der Patienten verbesserte sich im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie signifikant. So waren Patienten der Interventionsgruppe knapp 65 Prozent der Studienzeit im Blutzuckerzielbereich (primärer Studienendpunkt), in der Kontrollgruppe waren es 42 Prozent. Die durchschnittlichen Glukosewerte lagen im Schnitt bei 154 mg/dl in der Interventionsgruppe und 188 mg/dl in der Kontrollgruppe. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei der Zahl der Hypoglykämien (BZ unter 54 mg/dl) und bei den applizierten Insulinmengen (mittlere Dosis 44,4 vs 40,2 IE). Schwere Hypo- oder Hyperglykämien sowie Ketoazidosen wurden nicht registriert.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Eine immunschwächende Aktivität der Herpesviren könnte Alzheimer befeuern, so eine Studie. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »