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Ärzte Zeitung online, 28.08.2018

Brustkrebs-Screening

Die Krebsgefahr durch Mammografie

Die Mammografie hilft dabei, Brustkrebs früh aufzudecken - doch die verabreichte Strahlung kann Krebs erst verursachen. Wie hoch das Risiko ist, haben britische Forscher berechnet.

Von Robert Bublak

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Mammografie: Die Screening-Programme unterscheiden sich von Land zu Land.

© Francois Destoc / Maxppp / dpa

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie viele Krebserkrankungen von Frauen werden durch die Teilnahme am Mammografie-Screening ausgelöst?

Antwort: In Deutschland erkranken laut Berechnungen der Studienautoren 7 von 100.000 regelmäßigen Teilnehmerinnen am Mammografie-Screening an einem bösartigen Tumor, der auf die dabei verabreichte Strahlung zurückgeht.

Einschränkung: Die Zahlen gelten nur für die digitale Vollfeldmammografie. In Wirklichkeit liegen sie vermutlich etwas niedriger, weil die altersbedingte Abnahme der Brustdichte in den Berechnungen nicht berücksichtigt wurde.

SALFORD. Um die von den einzelnen nationalen Mammografieprogrammen zum Screening auf Mammakarzinome ausgehenden Krebsrisiken zu berechnen, hat sich eine Gruppe von Forschern um den Medizinphysiker Raed Ali und den Radiologen Peter Hogg, beide an der Universität Salford tätig, zusammengetan.

Sie stießen dabei auf erhebliche Unterschiede, die mit dem Einstiegsalter der Programme und mit der Zahl der anzufertigenden Mammogramme zu tun haben (Radiography 2018; 24(3): 240–246).

Unterschiede je nach Land

Das Lebenszeitrisiko, aufgrund der regelmäßigen Teilnahme am Mammografieprogramm an einem Malignom zu erkranken, lag für das Programm in Malta mit 42,21 Fällen je Million Teilnehmerinnen am niedrigsten.

In Malta wird bei Frauen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren, die am Brustkrebsscreening teilnehmen, alle drei Jahre eine Mammografie durchgeführt, insgesamt also vier Screeningdurchgänge.

Die mit 1099,67 Krebsfällen je Million höchste Rate findet sich im Screeningprogramm, das vom National Cancer Comprehensive Network der USA für Hochrisikopatientinnen empfohlen wird.

Bei den Teilnehmerinnen wird ab einem Alter von 25 Jahren und bis zum Alter von 75 jährlich eine Mammografie durchgeführt, was zu insgesamt 51 Screeningdurchgängen führt.

Das effektive Lebenszeitrisiko, durch das Mammografiescreening bedingt an Krebs zu erkranken, beträgt in Deutschland laut den Berechnungen 71,45 je Million. Im hiesigen Programm durchlaufen regelmäßig teilnehmende Frauen im Alter zwischen 50 und 69 zehn Screeningrunden.

Die Belastbarkeit dieser Zahlen hängt wesentlich von der Berechnungsmethode ab. Ali, Hogg und Kollegen bedienten sich einer Methode, mit der das effektive strahlungsbedingte Lebenszeitrisiko für Krebs berechnet wird.

Es soll im Vergleich zur üblichen Kalkulation der mittleren Drüsendosis (Mean Glandular Dose, MGD) erheblich genauer sein. Die MGD wird nur für die untersuchte Brust berechnet.

Willkürlich gewählte Faktoren

Den Schluss, wonach das Risiko für strahleninduzierte maligne Tumoren im mammografietypischen Niedrigdosisbereich so gering sei, dass es in die Mortalitätsschätzungen der Screeningprogramme nicht einfließen müsse, wollen die Forscher um Ali und Hogg nicht ohne Weiteres gelten lassen. Die Kritik an solchen Aussagen, die auf Berechnungen mit effektiven Dosen beruhen, umfasst mehrere Punkte.

Dazu gehört, dass die dabei verwendeten gewebeabhängigen Gewichtungsfaktoren relativ willkürlich und altersneutral gewählt sind (obwohl das Risiko umso höher ist, je früher im Leben die Bestrahlung erfolgt). Auch wird die effektive Dosis mit der Äquivalentdosis verwechselt, was falsch ist; Erstere ist eine gewichtete Durchschnittsdosis für den ganzen Körper, Letztere bezieht sich auf ein gegebenes Gewebe.

Ein wichtiger Kritikpunkt ist zudem, dass die effektive Dosis als Konzept entwickelt wurde, um Vergleiche verschiedener Strahlungsfelder zu ermöglichen, nun aber zur Abschätzung des Krebsrisikos benutzt wird.

Im Gegensatz zur effektiven Dosis fließt in das effektive Risiko das gewebespezifische, alters- und geschlechtsabhängige lebenszeitliche Krebsrisiko je Einheit der verabreichten Äquivalentdosis ein, wie es vom National Academy of Sciences Advisory Committee on the Biological Effects of Ionizing Radiation ermittelt wurde.

Multipliziert wird das Ganze mit den tatsächlich verabreichten Einheiten. Die Prozedur wird für die einzelnen Gewebe wiederholt und am Ende die Summe gebildet.

Um die Strahlendosen in den einzelnen Körperregionen zu ermitteln, nahmen Ali und Hogg Messungen an einem Phantom vor, das sie einer digitalen Vollfeldmammografie mit verschiedenen Geräten aussetzten.

Die höchsten Dosen wurden dabei naturgemäß in der untersuchten Brust gemessen, wo sie im Schnitt bei mehr als 2018,50 μGy lagen. Schon weit dahinter kam die kontralaterale Brust (28,75 μGy), gefolgt von Sternum (19,07 μGy) und Schilddrüse (9,45 μGy).

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