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HINTERGRUND

Trotz Weizenkeim-DNA und Hasenohrenwurzeln - die Hautalterung läßt sich bisher kaum aufhalten

Veröffentlicht:

Von Thomas Müller

Pflanzliche DNA aus Weizenkeimen, Extrakte aus weißem Tee und Edelweiß, Auszüge aus Gelee Royal, Tigergras, Litschi-Samen oder chinesischen Hasenohrenwurzeln, sogar Diamentenpulver - es gibt wohl kaum etwas, was nicht in Cremes gerührt wird, mit dem Versprechen, die Hautalterung zu bremsen.

Denn haben sich einmal die ersten Fältchen gebildet, scheuen viele Menschen weder Kosten noch Aufwand, ihre Haut möglichst schön und frisch aussehen zu lassen. Allerdings: Nur für wenige der vielen in den Cremes verwendeten Substanzen und Extrakte gibt es Hinweise, daß sie tatsächlich die Hautalterung verzögern.

UV-Strahlung läßt Haut am schnellsten altern

Wer also seine Haut jung halten will, sollte erst einmal Verhaltensweisen ändern, die mehr Schaden anrichten, als sämtliche Cremes beheben können. Der wichtigste Faktor ist dabei Sonnenlicht. Nach Angaben der Dermatologin Professor Martina Kerscher von der Universität Hamburg, bewirkt UV-Strahlung etwa 80 Prozent aller sichtbaren Haut-Alterungsprozesse im Gesicht.

Verursacht werden die Schäden vor allem durch langwellige UVA-Strahlen. Im Gegensatz zu den kurzwelligen UVB-Strahlen, die die Epidermis rösten und Sonnenbrände auslösen, gelangen UVA-Strahlen bis in die Dermis und induzieren dort Alterungsprozesse.

Auch Rauchen scheint die Haut vorzeitig faltig und runzlig zu machen. Das legen zumindest epidemiologische Studien nahe. Der Qualm aktiviert offenbar ähnliche Kollagen-zerstörenden Enzyme wie UVA-Strahlung.

Aber auch ohne Rauchen und zuviel Sonne wird die Haut eines Tages dünner, weniger elastisch, und es bilden sich erste Fältchen. Was kann dann helfen?

In ihrem Buch "Dermatokosmetik" nennt Kerscher einige Substanzen, bei denen eine Wirksamkeit zumindest auf Aspekte der Hautalterung belegt ist. So ist Trockenheit ein Problem alternder Haut. Sogenannte Moisturizer können die Haut vor Austrocknung schützen.

Zudem quellen sie das Stratum corneum geringfügig auf und glätten so feine Fältchen. Zu diesen Substanzen zählen etwa Paraffin, Pflanzenöle, Bienenwachs und Lanolin. Diese meist öligen Ingredienzien legen sich als Film über die Haut und reduzieren so die Verdunstung. Hygroskopische Substanzen, etwa Glyzerin, Harnsäure und Fruchtsäuren halten das Wasser in der Haut.

Einige Cremes enthalten auch Kollagen und wecken die Vorstellung, sie könnten das fehlende Haut-Kollagen ersetzen. Allerdings gelangen die riesigen Kollagenmoleküle gar nicht erst in die Haut, so Kerscher.

Da UV-Strahlung die Haut schädigt, liegt es nahe, zur Prävention der Hautalterung auch UV-Filter in Cremes einzubauen. Allerdings müssen dies Substanzen sein, die auch UVA filtern, etwa chemische Breitbandfilter wie Dibenzoylmethan, Benzophenon aber auch Kampfer-Derivate. Der angegebene Lichtschutzfaktor sagt dabei wenig aus, er bezieht sich nur auf die UVB-Strahlung. Nachteil der Filter: Sie haben ein recht hohes photoallergenes Potential.

Viel Hoffnung, die Hautalterung zu bremsen, wird in Vitamine gesetzt. Sie sollen vor allem zellschädigende freie Radikale binden und Kollagen-abbauende Enzyme hemmen. So konnte in Placebo-kontrollierten Studien gezeigt werden, daß Vitamin-A-Säure Schäden durch UV-Licht reduziert, etwa Falten und Keratosen, und die Elastizität erhöht. Vitamin A scheint auch die biologische Alterung der Haut etwas aufzuhalten, berichtet die Dermatologin.

Bei Vitamin C sieht die Datenlage schon schlechter aus, aber immerhin gibt es Placebo-kontrollierte Studien, in denen topisches Vitamin C die Falten etwas verringerte. Allerdings: Enthält die Creme keine zusätzlichen Stabilisatoren, zerfällt das Vitamin bereits wenige Stunden nach Öffnen der Packung. Auch werden viele Vitamin-C-Formulierungen von der Haut gar nicht absorbiert.

Für viele Vitamine gibt es keine überzeugenden Studien

Für andere Vitamine, denen antioxidative Effekte zugesprochen werden, fehlen weitgehend Placebo-kontrollierte Studien - ähnliches gilt auch für Koenzym Q10, einem Antioxidans, dem faltenglättende Wirkungen zugesprochen werden.

Seit kurzem in Anti-Ageing-Cremes enthalten sind Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Selen und sogar Gold. Vor allem Kupfer wird von vielen Enzymen benötigt, die freie Radikale einfangen und die Kollagen- und Elastinstruktur erhalten. In klinischen Studie verbesserten Kupfer-Peptid-Komplexe die Elastizität der Haut und milderten Fältchen. Überzeugende klinische Wirknachweise für andere Spurenelemente gebe es bisher aber nicht, so Kerscher.

Infos zu Substanzen gegen alternde Haut gibt Professor Martina Kerscher in ihrem Buch "Dematokosmetik", Steinkopff Verlag Darmstadt, 2004, 168 Seiten, ISBN 3-7985-1455-0. Preis: 84,95 Euro.



FAZIT

Eine junge Haut läßt sich am besten erhalten, in dem man zuviel Sonne meidet. Hautcremes können vor allem die Trockenheit der Haut lindern und kleine Fältchen kaschieren. Für topisches Vitamin A und Kupfer-Komplexe gibt es aus Studien Hinweise, daß sie UV-bedingte Schäden reduzieren und Alterungsprozesse verzögern. Für andere Substanzen gibt es dafür bislang kaum überzeugende Daten.

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