Ärzte Zeitung, 25.08.2014
 

Fehldiagnose

Chronische Wunde oder Hautkrebs?

Zwischen einer chronischen Wunde und einer Neoplasie zu differenzieren, kann selbst für den Dermatologen eine diagnostische Herausforderung sein.

MÜNCHEN. Nicht selten wird bei Patienten monate- oder gar jahrelang ein vermeintliches Ulcus cruris behandelt, bis sich schließlich herausstellt, dass es sich um eine Neoplasie handelt, berichtete Professor Joachim Dissemond, Universitäts-Hautklinik Essen, bei der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. Dissemond demonstrierte dies an Fallbeispielen.

So war etwa bei einer Patientin ein mutmaßlicher Dekubitus an der Ferse mehr als zwei Jahre lang erfolglos behandelt worden, als sie sich in der Klinik vorstellte. Dass die Patientin mobil war, machte diese Diagnose allerdings unwahrscheinlich und bei einer genaueren Abklärung wurde ein malignes Melanom festgestellt.

Bei einem weiteren Patienten mit einer chronisch venösen Insuffizienz wurde eine Wunde im Bereich der Tibia fälschlicherweise für ein Ulcus cruris venosum gehalten, bis sie sich schließlich als Plattenepithelkarzinom erwies.

Das Vorliegen eines Diabetes kann dazu verleiten, eine Wunde am Fuß für ein diabetisches Fußsyndrom zu halten und nicht eingehender zu untersuchen - in einem der Fälle handelte es sich jedoch um ein malignes Melanom.

Dass dies keine Einzelfälle sind, zeigt eine prospektive, multizentrische Studie aus Frankreich (Arch Dermatol. 2012; 148 (6): 704-708). Eingeschlossen waren 144 Patienten mit 154 chronischen Wunden, die seit mindestens drei Monaten als Ulcus cruris im Rahmen einer chronisch venösen Insuffizienz oder pAVK behandelt worden waren und als therapierefraktär galten. Bei mehr als der Hälfte dauerte die Therapie sogar schon drei Jahre oder länger.

Mit zwei Biopsien konnte in 10,4 Prozent der Fälle eine Neoplasie nachgewiesen werden. In neun Fällen handelte es sich dabei um ein Plattenepithelkarzinom.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich diese sekundär entwickelt haben, so Dissemond. Bei den in der Biopsie festgestellten fünf Basalzellkarzinomen, einem malignen Melanom und einem Leiomyosarkom war das Ulcus cruris jedoch von Anfang an eine Fehldiagnose. (abd)

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