Ärzte Zeitung, 09.03.2007

Wer die Hand als Hammer nutzt, versetzt der A. ulnaris harte Schläge

Ischämie kommt häufig vor / Patienten sind oft Handwerker, Landwirte und Sportler

MAINZ (ner). Haben Patienten Ischämie-Symptome der Finger - etwa ein Kältegefühl - ist es ratsam, sie nach beruflichen oder sportlich bedingten Belastungen der Hand zu fragen. Denn es könnte sich um ein Hypothenar-Hammer-Syndrom handeln, sagen Arbeitsmediziner aus Mainz.

Wer wiederholt mit der Handkante auf harte Gegenstände schlägt, läuft Gefahr, die Arteria ulnaris zu verletzen. Foto: Bilderbox

In manchen Berufen ist es üblich, die Hand als Hammer zu benutzen. Das gilt für Handwerker, Mechaniker oder Landwirte. Der Kleinfingerballen (Hypothenar) schützt bei solchen Krafteinwirkungen die Arteria ulnaris nur unzureichend.

Diese liegt in geringer Tiefe und verläuft zudem über ein unnachgiebiges Widerlager: das Os hamatum. Das Schlagen mit der Hohlhand oder mit der Handkante auf harte Gegenstände könne zu einem Vasospasmus, zur Thrombosierung oder einem Aneurysma führen, so die Arbeitsmediziner Dr. Jutta Scharnbacher und Professor Stephan Letzel von der Universität Mainz.

Aber auch Sportler können das Syndrom bekommen. Scharnbacher und Letzel haben 34 Fallbeschreibungen eines Hypothenar-Hammer-Syndroms (HHS) bei Sportlern ausgewertet (Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 7/8, 2006, 201). Demnach kommt es oft bei Baseball-Spielern (Fanghand) vor, aber auch bei Karate-Sportlern oder Mountainbike-Fahrern.

Es sei jedoch unklar, wie häufig das Syndrom tatsächlich auftritt. Epidemiologische Daten fehlen. Ein Kältegefühl vor allem im dritten bis fünften Finger mit Weißfärbung, Gefühlsstörungen oder belastungsabhängigen Schmerzen sind Anzeichen für eine arterielle Durchblutungsstörung. Mögliche Symptome eines Aneurysmas der A. ulnaris sind der lokale Druckschmerz oder ein tastbarer, eventuell pulsierender Tumor am Kleinfingerballen.

Die Liste der auszuschließenden Differenzialdiagnosen ist allerdings lang. Sie reicht nach Angaben von Scharnbacher und Letzel von Kollagenosen über Traumata bis hin zu Intoxikationen. Die Diagnostik kann dementsprechend aufwändig sein. Sehr spezifisch für Verschlüsse der A. ulnaris ist der Allen-Test. Er ist jedoch nicht spezifisch für ein HHS, sondern kann auch eine anatomische Variante des Arcus palmaris superficialis anzeigen. An technischen Verfahren kommen die Fingeroszillografie, Doppler- und Duplexsonografie sowie eine Angiografie infrage.

Die 34 HHS-Fallbeschreibungen bei Sportlern beruhten auf Kasuistiken von 32 Männern und nur zwei Frauen. Meist liege eine chronische Schädigung vor, so Scharnbacher und Letzel.

Die Behandlung erfolgt konservativ: Die Arteria-ulnaris-Traumen sollten vermieden werden, ebenso Nikotin, Kälte und Nässe. Vereinzelt wurden Erfolge mit der Verordnung von langwirksamen Kalziumantagonisten beschrieben, die gefäßerweiternd wirken. Ein akuter arterieller Verschluss ist ein handchirurgischer Notfall und bedarf der Thrombektomie oder lokalen Lysetherapie. Aneurysmen werden reseziert.

STICHWORT

Allen-Test

Beim Allen-Test werden die Arteria radialis und die Arteria ulnaris vom Untersucher komprimiert, die Hand wird durch Öffnen und Schließen der Faust blutentleert. Nach Freigabe der Arteria ulnaris sollte innerhalb von fünf bis sieben Sekunden die Hand wieder normal durchblutet sein. Wenn nicht (positiver Allen-Test), ist dies spezifisch für einen Verschluss der distalen Arteria ulnaris. (ner)

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