Ärzte Zeitung online, 21.08.2018

Prävention von Herzerkrankungen

Outdoor-Sport hilft auch bei schlechter Luft

Körperliche Aktivität beugt Herzerkrankungen vor, Luftschadstoffe sind wiederum schädlich für das Herz. Doch in diesem Fall schlägt Sport Luftqualität, so eine Studie.

Von Veronika Schlimpert

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Kein Sport ist auch keine Alternative: Selbst in Städten mit hoher Luftverschmutzung ist Draußen-Sport besser, als gar nichts zu tun.

© Maridav / stock.adobe.com

KOPENHAGEN. Schlechte Luft ist offenbar kein Argument, sich draußen nicht zu bewegen. Die Teilnehmer einer dänischen Kohortenstudie konnten selbst bei hoher Luftbelastung ihr Herzinfarktrisiko senken, wenn sie draußen aktiv waren, wie Forscher der Universität Kopenhagen herausgefunden haben (J Am Heart Assoc 2018; 7(15): e009554).

"Die Vorteile körperlicher Aktivität in Bezug auf das Risiko für einen ersten Herzinfarkt wie auch für weitere Ereignisse werden durch eine hohe Luftverschmutzung nicht vermindert", resümieren die Studienautoren um Dr. Nadine Kubesch.

Bei 57.053 Teilnehmern der "Danish Diet, Cancer and Health cohort" haben die Forscher das Ausmaß der angegebenen Outdoor-Aktivitäten mit der Herzinfarkt-Rate korreliert; das mittlere Follow-up betrug 17,7 Jahre.

Anhand einer Regressionsanalyse wurde daraufhin untersucht, ob die festgestellten Assoziationen durch die Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung an den jeweiligen Wohnorten verändert wird.

Besser Draußen-Sport als kein Sport

Alle Outdoor-Aktivitäten (Sport, Radfahren und Gartenarbeit) bis auf Spazierengehen verringerten das Herzinfarktrisiko signifikant um 9 bis 15 Prozent. Bei den Probanden, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, senkte moderates Radfahren (0,4– 4 h / Woche) das Risiko für einen weiteren Infarkt um 31 Prozent. Radfahren, Laufen und Gartenarbeit hatten ebenfalls einen positiven, wenn auch nicht signifikanten Effekt (9 bis 20 Prozent Reduktion).

Eine hohe Luftbelastung (NO2-Jahresmittelwert ≥ 21,0 μg/ m3) erhöhte zwar das Risiko für einen ersten Myokardinfarkt wie auch für weitere Herzinfarkte um 17 Prozent beziehungsweise 39 Prozent im Vergleich zu Gegenden mit geringer NO2-Belastung (< 14,3 μg / m3). Allerdings war es selbst an Wohnorten mit mittlerer bis hoher Luftverschmutzung immer noch besser, sich draußen zu bewegen als gar nichts zu tun.

Bei bereits kardiovaskulär vorbelasteten Patienten hatten manche Draußen-Aktivitäten (Sport, Gartenarbeit und Spazieren) dagegen eher einen negativen Effekt, wobei die Studienautoren hier zur vorsichtigen Interpretation mahnen, da die Fallzahl gering und die Ergebnisse inkonsistent seien.

Nicht auf alle Städte anwendbar

Die Studienautoren weisen zudem darauf hin, dass die Erkenntnisse für Städte anwendbar seien, die eine ähnliche Luftbelastung wie Kopenhagen hätten. Nun gilt Kopenhagen eher als eine saubere Großstadt. In München beispielsweise überschreitet die NO2-Konzentration an Hauptverkehrsstraßen häufig den empfohlenen Grenzwert von 40 μg / m3 und liegt teilweise sogar über 60 μg / m3.

Ob also auch in Städten wie Tokio und Co durch Outdoor-Aktivitäten das Herzinfarkt-Risiko gesenkt werden kann, lässt sich anhand dieser Daten nicht sagen. Generell ist es aber sicherlich für die Herz- und Lungengesundheit ratsam, sich nicht gerade die Hauptverkehrsstraßen zum Joggen auszusuchen, wie eine kürzlich publizierte Studie (Jogger, meidet die Straßen!) deutlich macht.

Weitere Informationen zur Kardiologie: www.kardiologie.org

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