Bluthochdruck

Bessere Therapie dank zentraler Messung?

Patienten mit geringgradiger systolischer Hypertonie könnten anhand des zentralen Drucks besser stratifiziert werden. Wurde bei Patienten die Therapie nach dem zentralen statt dem peripheren Blutdruck ausgerichtet, konnte die Zahl der Medikamente um ein Fünftel reduziert werden.

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Haben Blutdruckmanschetten für die rein periphere Druckmessung bald ausgedient?

Haben Blutdruckmanschetten für die rein periphere Druckmessung bald ausgedient?

© Alexandru Kacso/iStockphoto.com

BERLIN. Insbesondere Patienten mit systolischer Hypertonie oder grenzwertigem Hypertonus könnten von einer am zentralen Blutdruck orientierten Therapie profitieren.

Im zentralen Blutdruck spiegelt sich einerseits die Kontraktion des Herzens, andererseits die Kraft der von der Gefäßsteifigkeit abhängigen, in der Peripherie reflektierten Pulswelle.

Bei gefäßgesunden Menschen mit geringer Pulswellengeschwindigkeit ist in erster Linie das Herz für den zentralen Blutdruck verantwortlich. Die reflektierte Pulswelle ist im Pulsdiagramm lediglich als kleine, zweite Welle zu sehen.

Im Alter und bei pathologisch vorgealterten Blutgefäßen, wie sie etwa für Patienten mit Diabetes mellitus oder mit Nierenerkrankungen typisch sind, sieht die Situation anders aus: Hier kann die reflektierte Pulswelle den zentralen Blutdruck im Extremfall deutlich nach oben treiben. Die Frage ist, ob dieses in der Physiologie lange bekannte Phänomen für Therapieentscheidungen genutzt werden könnte.

Der Kardiologe und Angiologe Dr. Johannes Baulmann vom Klinikum Friedrichshafen ist davon überzeugt: Patienten mit geringgradiger systolischer Hypertonie beispielsweise könnten anhand des zentralen Drucks besser stratifiziert werden. Behandlungsbedarf gebe es vor allem dann, wenn der systolische Hochdruck Folge der Gefäßsteifigkeit ist, weniger dagegen, wenn die Pulswelle in Ordnung ist.

Bei der 7. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Berlin diskutierte Baulmann die BP GUIDE-Studie, eine Pilotstudie mit 286 Patienten mit Bluthochdruck.

Australische Ärzte um Professor James Sharman von der Universität von Tasmanien hatten in dieser Studie in randomisiertem Studiendesign Patienten entweder konventionell behandelt oder aber das Blutdruckmanagement am zentralen statt am peripheren Blutdruck ausgerichtet.

Weniger Medikamente, besseres Echo

Als Endpunkt wurde die linksventrikuläre Masse gewählt. Diese sei in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nach einem Jahr relevant abgefallen, so Baulmann.

Die Signifikanz wurde zwar knapp verfehlt. Aber: In der Gruppe, in der die Behandlung am zentralen Blutdruck ausgerichtet wurde, konnte die Zahl der Medikamente um etwa ein Fünftel reduziert werden. In der Kontrollgruppe änderte sich dagegen nicht viel. Dieser Unterschied war hoch signifikant (p < 0,001).

Auch der Anteil der Patienten, bei denen die Medikation abgesetzt wurde, war mit 16 Prozent versus 2 Prozent signifikant höher (p < 0,001). "Die Patienten müssen also weniger Medikamente einnehmen und schneiden trotzdem bei der linksventrikulären Masse möglicherweise besser ab", fasst Baulmann zusammen.

Klar ist, dass diese Ergebnisse erst einmal reproduziert werden müssen. Diese Studien laufen: "Wenn sich das bestätigt, muss die arterielle Hypertonie neu definiert werden."

Eine entscheidende Frage ist natürlich die nach der Messung des zentralen Blutdrucks im Alltag. Baulmann setzt auf moderne Blutdruckmessgeräte, die so gut auflösen können, dass sie eine Analyse der Pulswelle inklusive der reflektorischen Welle erlauben.

Daraus könne der zentrale Blutdruck dann berechnet werden, so der Experte. Erste Studien zur Validierung dieses Ansatzes seien positiv verlaufen. (gvg)

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