Ärzte Zeitung online, 17.05.2018

Welt-Hypertonie-Tag

Die größten Fehler beim Blutdruckmessen

Die Hochdruckliga bietet künftig virtuelle Selbsthilfegruppen für Patienten an. Zum Welt-Hypertonie-Tag erinnert die Liga auch an die Bedeutung korrekter Blutdruckmessungen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Die größten Fehler beim Blutdruckmessen

Besser zwei Mal messen: Das empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

BERLIN. Blutdruckmessen kann jeder? Im Prinzip ja, allerdings gibt es einige Fehlerquellen, auf die die Deutsche Hochdruckliga (DHL) bei einer Veranstaltung zum Welt-Hypertonie-Tag am 17. Mai jetzt noch einmal hingewiesen hat.

Zum einen sollte nicht irgendein Messgerät, sondern ein Messgerät mit Prüfsiegel verwendet werden. Prüfsiegel werden von verschiedenen Organisationen, unter anderem der DHL, vergeben.

Das CE-Zertifikat allein reiche nicht aus, sagte Professor Bernd Sanner vom Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal bei der Veranstaltung: "Nur rund die Hälfte der Oberarmmessgeräte und nur 30 bis 40 Prozent der Handgelenkmessgeräte liefern verlässliche Werte."

Bei der Messung mit Handgelenkmessgeräten sollte darauf geachtet werden, dass der Arm in Herzhöhe gehalten wird: "Die Messwerte sind sonst deutlich zu hoch, und wenn dann zu intensiv therapiert wird, drohen Stürze."

Zu hohe Messungen gebe es zudem bei einem "Undercuffing", wenn also die Manschette zu schmal für den Oberarm ist.

Zwei Messungen im Abstand von einer Minute empfohlen

US-Studie zur Zweitmessung

Teilnehmer: 38.260 Patienten mit Hypertonie.

Bei erhöhten Druckwerten wurde wiederholt gemessen.

8 mmHg war der Druck dann im Schnitt niedriger (Systole).

Bei jedem 3. Patienten war der Druck dann normal.

Auch der bequeme Verzicht auf eine Zweitmessung prädisponiert zu Fehlmessungen. Die DHL empfiehlt, zweimal im Abstand von einer Minute zu messen und den niedrigeren Wert zu dokumentieren. Viele machen das nicht, es macht aber Sinn: In einer aktuellen amerikanischen Studie wurde bei über 38.000 Patienten Blutdruck gemessen.

Ein einfache Messung hat ihre Tücken. Wenn die erste Messung erhöht war, folgte eine zweite. Im Mittel war der systolische Blutdruck dann um 8 mmHg niedriger, und bei jedem dritten Patienten mit zunächst erhöhtem Blutdruck war der Blutdruck in der zweiten Messung normal (JAMA Intern Med 2018; online 16. April).

Zum Hypertonie Tag hat die DHL auch eine Neuerung im Bereich ihrer Selbsthilfeaktivitäten vorgestellt. Diese werden jetzt um virtuelle Bluthochdruck-Selbsthilfegruppen ergänzt.

Zunächst gibt es zwei derartige Gruppen, eine für "jüngere" Menschen bis zu einem Alter von 67 Jahren und eine für Eltern von Kindern mit Bluthochdruck.

Ziel sei es, auch Menschen, die sich durch die klassische Selbsthilfe nicht angesprochen fühlen, ein Angebot zu machen, betonte Ines Petzold, Patientenvertreterin im DHL-Vorstand.

Virtuelles Treffen via Skype

Die virtuellen Gruppen treffen sich, ähnlich wie normale Selbsthilfegruppen, zu festgelegten Zeiten, etwa einmal im Monat. Interessierte erhalten einen Code für die Einwahl und sind dann offiziell Mitglieder der virtuellen Gruppe.

Die Treffen laufen nach Art einer Skype-Konferenz ab, allerdings auf einer Plattform, die ausschließlich Server in Deutschland nutzt.

Die Bildverbindung kann, muss aber nicht angeschaltet werden. Die Plattform für die virtuellen Selbsthilfegruppen bietet auch die Möglichkeit, Experten mit Kurzvorträgen einzubinden.

Dieser Beitrag wurde am 17.5.2018, 9.30 h korrigiert.

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[17.05.2018, 13:04:18]
Kurt Göpel 
Korrekte RR-Messung
Bei der Messung des RR mit Handgelenksgeräten ist es - wie oben erwähnt - wichtig 1. das Gerät in Herzhöhe zu halten, 2.den Arm mit dem Gerät unterstützen, damit die Armmuskulatur entspannt ist!, 3. die Patienten immer mal wieder fragen, wo das Herz sitzt, gerade Frauen positionieren häufig das Herz in Höhe der Mamma links, deren Lokalisation sehr variabel sein kann. (Schauen sie mal, wenn ein Ami die Nationalhymne sing und die Hand aufs Herz legt!). Das 2 malige Messen innerhalb von 2 Min. halte ich nicht für korrekt, da die zweite Messung dadurch verfälscht wird, weil das Gewebe des Oberarmes sich von der Kompression noch nicht erholt hat und durch Kompression der Gefäße falsche Werte entstehen Können. Im übrigen hatte ich mir in meiner Praxis angewöhnt, den RR von einer Helferin messen zu lassen, um den Weißkitteleffekt auszuschließen. zum Beitrag »
[17.05.2018, 08:13:24]
Mark Grabfelder 
Zwei Messungen im Abstand von einer Minute werden empfohlen
Es hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen:
Unsere Empfehlung lautet "Vor der Messung fu¨nf Minuten zur Ruhe kommen. Danach zwei Messungen im Abstand von einer Minute." (www.hypertonietag.de/das-1x1-der-blutdruckmessung.html)

Immer zur gleichen Zeit morgens und abends messen. Morgens vor der Einnahme blutdrucksenkender Mittel messen, damit auch der Blutdruck in den fru¨hen Morgenstunden erfasst wird.

Ein zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte. Viele Geräte messen, ohne dass Sie es merken, mehrfach hintereinander. Ansonsten können Sie den Blutdruck zweimal im Minutenabstand messen. Den zweiten (meist niedrigeren) Wert notieren. Bei unregelmäßigen Herzschlägen dreimal im
Minutenabstand messen und den Durchschnitt notieren.

Vor der Messung fu¨nf Minuten zur Ruhe kommen. Körperliche Aktivitäten vor der Messung vermeiden, ansonsten die Entspannungsphase verlängern.
Falls möglich, entspannt auf einem Stuhl sitzend an die Stuhllehne angelehnt messen. Den zu messenden Arm auf den Tisch legen. Die Fu¨ße nebeneinander aufstellen. Dadurch vermeiden Sie die Anspannung Ihrer Muskulatur. Beim Messen nicht bewegen, auch nicht die Finger. Nicht reden oder durch Musik bzw. Nachrichten ablenken lassen.

Die Blutdruckmanschette muss sich auf Herzhöhe befinden. Darauf sollte vor allem bei Handgelenksgeräten geachtet werden. Die Manschette der Oberarmgeräte liegt in der Regel bereits automatisch auf Herzhöhe, wenn der Unterarm flach auf dem Tisch abgelegt ist.

Die Messergebnisse sollten mit Datum und Uhrzeit im Blutdruckpass graphisch dokumentiert werden, falls kein digitaler Datenspeicher vorhanden ist. Das stellt sicher, dass der Arzt sich schnell einen Überblick u¨ber Ihre Werte machen kann.

Anfänglich sollte Ihr Blutdruck an beiden Armen gemessen werden. Das sollte Ihr behandelnder Arzt machen. Differenzen bis 10 mmHg sind bedeutungslos. Größere Abweichungen können zahlreiche verschiedene Ursachen haben, die vom Arzt abzuklären sind. Der Blutdruck ist danach immer an dem anfänglich bestimmten Arm (im Zweifelsfall immer die Seite, an der höhere Werte gemessen wurden) zu messen.

Weiteres Material auch für Patienten auf www.hypertonietag.de

Viel Spaß beim Messen!

Mark Grabfelder, Geschäftsführer, Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®
Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
m.grabfelder@hochdruckliga.de
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