Ärzte Zeitung, 12.12.2006

Durch Streß und Völlerei steigt Weihnachten das Infarktrisiko

Sterberate an den Feiertagen sechs Prozent erhöht / Nicht zögern: 112 anrufen!

HALLE (ddp.vwd). Die Deutsche Herzstiftung warnt vor dem nachlässigen Umgang mit Herzbeschwerden in der Weihnachtszeit. Besonders während der Feiertage wird zu langsam und zu selten ärztliche Hilfe angefordert.

Weihnachten ist für das Herz eher kein Fest: Auch der vorweihnachtliche Trubel kann ihm zu schaffen machen. Foto: dpa

"Viele Menschen wollen im Dienste der Familie perfekt funktionieren und ignorieren ernsthafte Alarmzeichen", sagt Professor Karl Werdan vom Uniklinikum Halle-Wittenberg. "Gerade bei älteren Menschen kündigt sich ein Herzinfarkt oft sehr unspezifisch mit Schweißausbrüchen, Übelkeit oder Erbrechen an", erinnert das Mitglied im Beirat der Deutschen Herzstiftung. "Oft macht sich vor einem Herzinfarkt auch ein Gefühl der Angst breit."

Bei heftigen Beschwerden in der Brust, Luftnot und anhaltendem Herzstolpern sollte umgehend die 112 gewählt werden, so Werdan. Kollegen sollten besonders Risikopatienten regelmäßig daran erinnern und dazu ermutigen.

Daß die Weihnachtszeit gefährlich für das Herz ist, hat eine US-amerikanische Langzeit-Studie ergeben, so Werdan: "Über Weihnachten steigt die Sterberate um bis zu sechs Prozent an." Als Ursache werden mehrere Faktoren diskutiert, etwa emotionale Anspannung bei Familientreffen, üppiges Essen und übermäßiger Alkoholkonsum. Auch der schlagartige Wechsel von vorweihnachtlichem Streß in eine Ruhe- und Genußphase könne Herzrhythmusstörungen auslösen.

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