Ärzte Zeitung, 07.03.2007

Gute Noten für die kardiologische Versorgung

Herzinfarktregister belegt Halbierung der Letalität / ACE-Hemmer-Therapie beugt Komplikationen vor

MÜNCHEN (sto). Die kardiologische Versorgung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Das belegten aktuelle Zahlen des Augsburger Monica/Kora-Herzinfarktregisters, so der Kardiologe Professor Hermann Klein vom Klinikum Idar-Oberstein.

Patient beim Belastungs-EKG - KHK-Risiko-Patienten können heute besser geschützt werden. Foto: Klaro

Das Herzinfarktregister, in dem die Bevölkerung in Augsburg und Umgebung erfasst wird, hatte vor kurzem Ergebnisse von 1991 bis 1993 mit denen der Jahre 2001 bis 2003 verglichen. Dabei zeigte sich, dass sich die KHK-Letalität innerhalb von zehn Jahren bei Männern um 42 Prozent und bei Frauen um 50 Prozent verringert hat, berichtete Klein bei einer Fortbildungsveranstaltung von Sanofi-Aventis in München.

Dass Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, heute eine deutlich bessere Prognose als noch vor einigen Jahren haben, sei auch dem Engagement der niedergelassenen Ärzte zu verdanken, sagte Klein. Gleichwohl seien koronare Herzerkrankung, Myokardinfarkt und Schlaganfall in Deutschland nach wie vor Haupttodesursache. "Es gibt also noch viel zu tun", sagte Klein.

Ein wesentlicher Fortschritt in der kardiologischen Versorgung sei die HOPE-Studie (Heart Outcomes Pre-vention Evaluation Study) gewesen. In der Studie wurden 9297 Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko und Gefäßerkrankungen oder Diabetes und einem weiteren kardiovaskulären Risikofaktor mit Ramipril oder Placebo behandelt. Mit Ramipril war die Myokardinfarktrate um 20 Prozent geringer, die Schlaganfallrate um 32 Prozent niedriger und die kardiovaskuläre Letalität um 26 Prozent niedriger als bei Placebo, so Klein. Die Sterberate der mit Ramipril behandelten Patienten war um 16 Prozent geringer. Zudem entwickelten mit Ramipril behandelte Patienten seltener einen neuen Diabetes.

Die Nachbeobachtung von Patienten aus der HOPE-Studie habe zudem ergeben, dass der Vorsprung der Behandlung mit Ramipril im Vergleich zu Placebo im weiteren nicht mehr aufgeholt werden kann, so Klein. Der Vorteil einer Behandlung mit Ramipril bleibe erhalten, unabhängig davon, ob die Patienten weiterhin Ramipril bekamen oder in der Placebogruppe ebenfalls Ramipril erhielten.

STICHWORT

Kardiovaskuläres Risiko bei Diabetes

Im Augsburger MONICA-Projekt ist auch speziell untersucht worden, welche Bedeutung Diabetes als kardiovaskulärer Risikofaktor hat. Nach den Daten überleben 70 Prozent der Diabetiker, die einen Herzinfarkt erleiden, diesen nicht. In der Gesamtbevölkerung liegt die Diabeteshäufigkeit bei vier bis fünf Prozent, die Rate der Diabetiker unter den Infarktpatienten ist deutlich erhöht. Sie beträgt 25 Prozent bei den Männern und 38 Prozent bei den Frauen. (sto)

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