Ärzte Zeitung, 28.05.2008

Herzkranke wissen wenig über Infarkt

Studie mit über 3500 Patienten nach Infarkt oder Bypass-Op / Jeder Zweite beantwortete nur 70 Prozent der Fragen

SAN FRANCISCO (hub). Patienten mit hohen kardialen Risiken kennen die Herzinfarkt-Symptome nicht richtig. Und sie wissen nicht, was im Notfall zu tun ist, hat eine aktuelle Studie ergeben.

 Herzkranke wissen wenig über Infarkt

Nur Patienten, die die Symptome eines Herzinfarktes kennen, können im Notfall schnell und korrekt handeln.

Foto: sebastian kaulitzki©www.fotolia.de

Über 3500 Patienten aus den USA, Australien und Neuseeland mit bereits erlittenem Herzinfarkt oder einer Bypass-Op wurden 26 Fragen zum Thema Infarkt gestellt. Fast jeder zweite konnte weniger als 70 Prozent der Fragen beantworten (Arch Int Med 168, 2008, 1049). Teilnehmer an Reha-Maßnahmen nach Herz-Op und Patienten mit höherer Bildung schnitten im Mittel besser ab, ebenso Frauen. Wobei die Männer glaubten, sie würden die Symptome eines Infarkts besser kennen als Frauen. Und nur jeder zweite Mann wusste, dass Herzerkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen sind.

Die unspezifischen Infarkt-Symptome - Kieferschmerz, Schwindel, Übelkeit - waren Frauen bekannter als Männern. Hier machten sich Aufklärungskampagnen speziell für Frauen bemerkbar, so Professor Kathleen Dracup von der Uni von Kalifornien und ihre Kollegen. Was die Autoren besonders erstaunte: Patienten nach Bypass-Op schätzten ihr Herzinfarkt-Risiko nicht höher ein, als das für gesunde Gleichaltrige. Dabei ist bekannt, dass eine KHK das Risiko für Infarkt oder Tod um den Faktor fünf bis sieben erhöht.

Als einen Grund für die Unkenntnis sehen die Forscher die verkürzten Krankenhauszeiten. Schulungen kämen dann zu kurz: Nur jeder Zweite hatte eine umfassende Aufklärung erhalten. Die Folge: Es gibt keine Zeitunterschiede, bis ein Patient mit Erstinfarkt oder mit Re-Infarkt in die Klinik kommt.

Infos auch für Patienten gibt's hier: www.herzstiftung.de

Was Ihre Patienten wissen müssen

So erkenne ich einen Herzinfarkt

  • schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulter, Hals, Kiefer, Oberbauch ausstrahlen können
  • starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb, Angst
  • zusätzlich zum Brustschmerz: Luftnot, Übelkeit, Erbrechen
  • blasse, fahle Gesichtsfarbe, kalter Schweiß, Schwächeanfall (auch ohne Schmerz),
  • Luftnot, Übelkeit, Schmerzen im Kiefer oder Oberbauch, Erbrechen können alleinige Alarmzeichen sein

Was tun? Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Rettungsdienst rufen und die 112 wählen

Quelle: www.herzstiftung.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text