Ärzte Zeitung, 25.09.2015

Herzinfarkt

In großer Kälte steigt die Gefahr

Je kälter die Jahreszeit, desto höher ist das Infarktrisiko, hat eine kanadische Studie ergeben.

LONDON. Welches Wetter begünstigt Herzinfarkte? Dieser Frage sind Forscher um Dr. Shuangbo Liu von der Universität Manitoba nachgegangen. Sie haben Temperaturverhältnisse und Schneefallhöhen während aller 1.817 ST-Hebungs-Myokardinfarkte (STEMI) von 2009 bis 2014 in der Stadt Winnipeg analysiert.

Berücksichtigt wurden dabei jeweils zwei Tage vor und nach dem Ereignis, wie Liu beim ESC-Kongress berichtet hat.

Die Region ist für eine solche Untersuchung prädestiniert. Die Temperaturen schwanken dort stark mit heißen Sommern und kalten Wintern. Winnipeg gehöre zu den kältesten Städten der Welt, -20° C und darunter seien nicht ungewöhnlich, so Liu.

Bei klirrender Kälte kam es zu einem auffälligen Anstieg der STEMI-Raten. "Je kälter es war, desto wahrscheinlicher war es, einen Herzinfarkt zu erleiden", resümierte Liu.

Für jeden Temperaturabfall um 10° C stieg das relative STEMI-Risiko um 7 Prozent. Auch Maximaltemperaturen zwei Tage vor dem kardialen Ereignis waren mit einem erhöhtes Infarktrisiko assoziiert. Hitze wirkt sich dagegen nicht negativ auf das Risiko aus.

Ab Temperaturen unter 0° C sollten sich Patienten über das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bewusst sein, so Liu. Damit seien solche vorhersehbaren Risiken in Zukunft womöglich besser in den Griff zu bekommen. Um aber konkrete Empfehlungen aussprechen zu können, müssten die zugrunde liegenden Mechanismus besser geklärt werden. (vsc)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »