Ärzte Zeitung online, 23.08.2018

Forschung

Wie schädigt schmutzige Luft die Gefäße?

In erster Linie beeinträchtigt Feinstaub und nicht NO2, die beide bei der Verbrennung von Dieselbrennstoff entstehen, die Gefäßfunktion, erklärt ein Experte.

MAINZ. Welche Bestandteile der Luftverschmutzung – Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid – sind besonders schädlich für das Herz-Kreislauf-System und über welche Mechanismen werden die Gefäße geschädigt? Diesen Fragen sind jetzt Forscher aus Deutschland, England und den USA nachgegangen (European Heart Journal 2018; online 14. August).

"Zusammenfassend kann man feststellen, dass – in Bezug auf die gefäßschädigende Wirkung der Luftverschmutzung – der Feinstaub eine herausragende Rolle spielt", kommentiert Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, die Studienergebnis in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie. "Besonders der Ultrafeinstaub macht uns hierbei große Sorgen. Dieser hat die Größe eines Virus.

Wenn der Ultrafeinstaub inhaliert wird, dann geht er über die Lunge sofort ins Blut, wird von den Gefäßen aufgenommen und bewirkt lokal eine Entzündung.

Das bedingt letztlich mehr Atherosklerose und führt somit zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Herzinfarkt, akuter Herzinfarkt, Herzschwäche oder auch Herzrhythmusstörungen."

Interessant sei sicher auch, dass in Bezug auf die viel diskutierten Dieselabgase in erster Linie der Feinstaub und nicht das Stickstoffdioxid (NO2), die beide bei der Verbrennung von Dieselbrennstoff entstehen, negative Auswirkungen auf die Gefäßfunktion habe, so Münzel in der Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz.

Professor Jost Lelieveld, Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) in Mainz, kommentiert: "Die Ultrafeinstaubteilchen werden hauptsächlich in der Atmosphäre chemisch aus Emissionen von Verkehr, Industrie und Landwirtschaft gebildet. Um niedrige, gesundheitlich unbedenkliche Konzentrationen zu erreichen, müssen die Emissionen aus all diesen Quellen reduziert werden." (eb)

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