Ärzte Zeitung, 15.05.2007

Forscher entwickeln Gentherapie gegen Herzinsuffizienz

Wissenschaftler in Heidelberg schleusen intaktes Ersatz-Gen in Herzmuskelzellen / Pumpleistung im Tiermodell verbessert

HEIDELBERG (eb). Eine Gentherapie bei Herzinsuffizienz haben Heidelberger Forscher entwickelt. Die Bauanleitung für ein Schlüssel- Protein wird dabei zuverlässig in Herzzellen eingeschleust. Es handelt sich um das Gen für das Eiweiß S100A1. Fehlt das Protein in den Herzmuskelzellen, so schlägt das Herz nicht mehr mit voller Kraft.

In einem Tiermodell für Herzinsuffizienz konnten die Forscher belegen, dass sich durch den Gentransfer die Pumpleistung des Herzens deutlich verbessert und die Hypertrophie zurückbildet. In den Versuchen war die Gentherapie sogar effektiver als die klassische Behandlung mit Medikamenten, wie die Universität Heidelberg mitteilt.

Das Protein S100A1 ist Kraftstoff für die Muskeln: Es erhöht sowohl die Pumpkraft des Herzens als auch die Kraftentwicklung der Skelettmuskulatur. Die höchste Konzentration im Körper erreicht das Protein im Herzen, wo es die für die Muskelkontraktion wichtigen Kalzium-Kanäle reguliert. Bei Herzmuskelschwäche wird S100A1 nicht mehr in ausreichender Menge gebildet: Die Muskelleistung, vor allem des Herzens, ist dann eingeschränkt.

Eine Arbeitsgruppe um Professor Patrick Most, Leiter des Labors für kardiale Stammzell- und Gentherapie, der derzeit an der Thomas Jefferson University arbeitet, entwickelte eine neue Genfähre in Form eines Virus, das den fehlerfreien Bauplan für S100A1 an seinen Einsatzort transportiert (Circulation-online). Bei Gentherapien werden bereits seit Langem verschiedene Virusarten genutzt, die zuvor verändert und so entschärft werden: Die Viren sind nicht mehr gefährlich, sondern dienen nur dazu, funktionsfähige Kopien der defekten, körpereigenen Gene in Zellen zu schleusen.

Das Problem der bisher verwendeten Viren sei ihre kurze Verweildauer im Herzen gewesen, so die Wissenschafter. In nur zwei Wochen vernichtet das Immunsystem alle Viren und verringert daher die Wirkung der Therapie. Die Heidelberger Forscher verwendeten deshalb Adeno-assoziierte Viren, die der Immunabwehr entgehen können.

Mit Erfolg: Durch die Weiterentwicklung der bisherigen Genfähren gelang es, die Wirksamkeit der S100A1-Gentherapie im Tiermodell bei Herzinsuffizienz zu belegen. Mit Hilfe der neuen Viren sei eine effektive Behandlung wahrscheinlich schon bald möglich, so die Wissenschaftler. Aufgrund der bisherigen Daten hoffen die Heidelberger Forscher, bereits in wenigen Jahren mit ersten klinischen Sicherheitsstudien beginnen zu können.

Weitere Infos zu Gentherapie im Internet unter www.dg-gt.de

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