Ärzte Zeitung, 26.05.2017
 

Studie

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz/Kreislauf?

Energy-Drinks haben im Vergleich zu üblichen Getränken mit gleichem Koffeingehalt eine durchschlagendere Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist auch sechs Stunden nach dem Konsum noch erhöht. Möglicherweise sind hierfür weitere Inhaltsstoffe verantwortlich.

Von Christine Starostzik

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz/Kreislauf?

Im Energy-Drink bringt offenbar nicht nur das Koffein das Herz aus dem Takt.

© beermedia / Fotolia

TRAVIS AFB. Koffeinmengen unter 400 mg gelten der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zufolge als ungefährlich für den menschlichen Organismus. Ob allerdings die Zusatzstoffe in Energy-Drinks die Wirkung der Getränke beeinflussen können, darüber ist bislang noch wenig bekannt.

In einer randomisierten doppelblinden, koffeinkontrollierten Cross-over-Studie haben Emily Fletcher vom David Grant Medical Center, Travis AFB, und Kollegen jetzt die Wirkung von Energy-Drinks auf Blutdruck und EKG untersucht (J Am Heart Assoc. 2017;6:e004448).

Unterschiede bei QTc und Blutdruck

Hierfür hatten sich 18 gesunde Probanden zwischen 18 und 40 Jahren zur Verfügung gestellt, die entweder 946 ml Energy-Drink oder ein anderes koffeinhaltiges Getränk (Kontrollgruppe) gleichen Koffeingehalts (jeweils 320 mg) zu sich nahmen. Im Anschluss wurde über 24 Stunden mehrfach der periphere und zentrale Blutdruck gemessen sowie ein EKG gemacht.

Zwei Stunden nach Aufnahme des Energy-Drinks oder des Kontrollgetränks zeigte sich hinsichtlich der Veränderungen der frequenzkorrigierten QT-Zeit (QTc) gegenüber dem Ausgangswert ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (+0,44 vs. –10,4 ms). Keine Gruppenunterschiede ergaben sich bei den Effekten auf Herzfrequenz, bei QT- und PR-Intervall sowie bei der QRS-Dauer. Der periphere systolische Blutdruck lag sechs Stunden nach Konsum des Energy-Drinks noch immer 4,72 mmHg über dem Ausgangswert, in der Kontrollgruppe dagegen nur um 0,83 mmHg. Beim Augmentationsindex war nach der gleichen Zeitspanne in der Energy-Drink-Gruppe ein Rückgang gegenüber der Kontrollgruppe festzustellen (–3,72 vs. +1,50). Keine Gruppenunterschiede zeigten sich zu irgendeinem Zeitpunkt für den peripheren diastolischen Blutdruck sowie dem zentralen systolischen und diastolischen Druck.

Taurin, Carnitin und Ginseng

15 der Energy-Drink-Konsumenten und 13 der Kontrollprobanden berichteten während der 24-stündigen Beobachtungszeit über unerwünschte Nebeneffekte wie Angst, Benommenheit, die Unfähigkeit einzuschlafen, Dyspepsie, Epistaxis, Kopfschmerz, Überdrehtheit, Übelkeit, Palpitationen und Kurzatmigkeit, ohne gravierende Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Da eine Verlängerung der QT-/QTc-Zeit um mehr als 60 ms im Vergleich zum Ausgangswert beziehungsweise ab einem Wert von 500 ms als Marker für eine lebensbedrohliche Arrhythmie gilt, wurde dieser Parameter in mehreren Studien nach dem Konsum von Energy-Drinks untersucht.

Die aktuelle Studie, so Fletcher und Kollegen, sei eine der ersten koffeinkontrollierten Untersuchungen, bei der zwei Stunden nach Genuss eines Energy-Drinks eine signifikante QTc-Verlängerung erkennbar war.

Künftig müsse untersucht werden, inwieweit weitere Inhaltsstoffe von Energy-Drinks wie Taurin, L-Carnitin und Panax ginseng für die beobachteten Veränderungen verantwortlich seien. Für deren hämodynamische Effekte spreche auch der sechs Stunden nach dem Energy-Drink noch immer erhöhte systolische Blutdruck.

4,72 mmHg über dem Ausgangswert lag der periphere systolische Blutdruck sechs Stunden nach Konsum des Energy-Drinks. In der Kontrollgruppe lag der Wert dagegen nur 0,83 mmHg darüber.

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