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Schlaganfallversorgung in Deutschland ist gut

Heute am Weltschlaganfalltag braucht sich Deutschland nicht zu verstecken. Denn bei der Versorgung wurde Beachtliches geleistet.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Zwei Drittel der Schlaganfall-Patienten kommen schon in eine Stroke Unit.

Zwei Drittel der Schlaganfall-Patienten kommen schon in eine Stroke Unit.

© michalke / imago

BERLIN. "Die zahlreichen regionalen Qualitätssicherungsprojekte in Deutschland liefern uns heute relativ gute Daten zur Schlaganfallversorgung in Deutschland", betonte Professor Peter Heuschmann vom Centrum für Schlaganfallforschung der Charité Berlin.

Daten und Zahlen

Dritthäufigste Todesursache
Die Inzidenz
Bei den ischämischen
Jeder zweite
Männer sind
Die Prävalenz
Die Sterberate
Die Inzidenz

So habe es bei einem der wichtigsten Parameter, dem Anteil der Patienten, die eine Lysetherapie erhalten, in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs gegeben.

"Noch im Jahr 2003 erhielten nur etwa 3 Prozent aller Patienten mit ischämischem Schlaganfall in Deutschland eine Lysetherapie. Im Jahr 2008 lagen wir dagegen bereits zwischen 7 und 8 Prozent", betonte Heuschmann auf einer Veranstaltung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zum Weltschlaganfalltag.

Diese Zahl stammt noch aus der Zeit vor der Erweiterung des empfohlenen Lysezeitfensters von 3 auf 4,5 Stunden nach dem Ereignis. Diese Erweiterung war ein Resultat der vor knapp zwei Jahren vorgestellten Lysestudie ECASS 3.

Es ist also anzunehmen, dass die Quote schon allein wegen dieser Erweiterung des Lysefensters noch weiter steigen wird. "Viele hoch spezialisierte Zentren liegen heute schon bei einer Lysequote von deutlich über 10 Prozent", sagte der DSG-Vorsitzende Professor Joachim Röther von der Asklepios-Klinik in Hamburg Altona.

15 bis 17 Prozent aller Schlaganfallpatienten seien prinzipiell für eine Lysetherapie geeignet, so Röther. Davon sind die großen Zentren nicht mehr weit entfernt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehe Deutschland gerade bei der Lysequote ausgesprochen gut da, betonte Heuschmann.

In Schweden, ein Land, das bei europäischen Vergleichen der medizinischen Versorgung schon traditionell an vorderster Stelle steht, liegt die Lysequote bei sechs Prozent und damit eher niedriger als in Deutschland. Und Großbritannien erreiche gar nur die Hälfte der deutschen Quote.

Für DSG-Generalsekretär Professor Otto Busse ist die gute Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland auch eine Folge der seit dem Jahr 1995 etablierten, mittlerweile 180 zertifizierten Schlaganfallstationen (Stroke Units).

"60 bis 70 Prozent aller Schlaganfallpatienten werden auf diesen Stationen versorgt, aber da geht noch mehr", so Busse. Er betonte, dass nicht nur jene Patienten von der Stroke Unit profitieren, die innerhalb der ersten Stunden nach dem Ereignis das Krankenhaus erreichen.

"Auch Patienten jenseits der viereinhalb Stunden gehören auf die Stroke Unit, weil dort die nötigen Überwachungsmöglichkeiten bestehen und die Rehabilitation früh eingeleitet werden kann."

Allen Erfolgen bei der Akutversorgung zum Trotz: Der Pferdefuß der Schlaganfallversorgung in Deutschland wie auch anderswo bleibt die Einweisung. "Es ist leider noch immer so, dass nur etwa 30 Prozent der Schlaganfallpatienten die Klinik so früh erreichen, dass über eine Lysetherapie nachgedacht werden kann", so Röther.

Der Aufruf zahlloser Schlaganfallkampagnen der letzten Jahre, wonach bei typischen Schlaganfallsymptomen sofort die Nummer 112 zu wählen sei, hat noch nicht die gesamte Bevölkerung erreicht.

"Es gibt immer noch Menschen, die mit einer Halbseitenlähmung aufwachen und dann weiterschlafen in der Hoffnung, dass am nächsten Morgen wieder alles in Ordnung ist. Funktionelle Defizite werden noch immer weniger ernst genommen als plötzliche Schmerzen", so Röther.

Auch zum diesjährigen Weltschlaganfalltag rufen DSG und Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe deswegen wieder dazu auf, Schlaganfallsymptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Wer bei sich, seinen Angehörigen oder seinen Patienten eine Halbseitenlähmung, plötzliche Seh- oder Sprachstörungen, einen plötzlich hängenden Mundwinkel oder eine akute Schwindelsymptomatik bemerkt, sollte nicht lange warten und den Notruf wählen.

Den Ärzten empfahl Busse, kardiovaskuläre Risikopatienten gezielt über Schlaganfallsymptome und den Notruf aufzuklären. Denn eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass auch von jenen Menschen, die über Schlaganfallsymptome gut Bescheid wissen, nur jeder fünfte deswegen konsequent zum Telefonhörer greifen würde. "Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden", wusste schon der alte Goethe.

Lesen Sie dazu auch: Tödlicher Schlaganfall alle 6 Sekunden Update der Leitlinien zur Prävention des Schlaganfalls Spezialisten informieren die Bürger

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