Ärzte Zeitung, 01.04.2005

Eine Struma-Therapie ist wirklich ganz einfach

Spezialisten empfehlen Jodid plus L-Thyroxin / TSH-Werte sollen bei Strumapatienten niedrig normal sein

NEU-ISENBURG (gwa). Die bislang in Deutschland noch nicht optimale Therapie von Strumapatienten kann einfach verbessert werden, wenn man zwei Empfehlungen von Spezialisten beachtet: Die Patienten bekommen eine Kombinationstherapie mit Jodid und L-Thyroxin im Verhältnis 2 zu 1. Und der TSH-Wert soll bei dieser Behandlung zwischen 0,3 bis 1,2 mU / l liegen.

Ein Kollege tastet die Struma einer Patientin ab. Foto: Klaro

Daß viele Strumapatienten noch nicht optimal behandelt werden, hat die Untersuchung Papillon 3 ergeben. In Papillon 3 wurde der aktuelle Therapie-Stand bei 20 100 Strumapatienten erhoben, die deswegen behandelt wurden (wie berichtet).

Die wichtigsten Ergebnisse stellte Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Krankenhaus München-Bogenhausen auf dem 1. Münchner Schilddrüsenseminar auf dem Nockherberg vor.

Danach hatten knapp zwei Drittel der Patienten TSH-Werte außerhalb des empfohlenen niedrigen Normbereiches von 0,3 bis 1,2 mU / l. Mehr als zwei Drittel erhielten eine andere als die empfohlene Jodid-Thyroxin-Therapie, berichtete Schumm-Draeger auf dem von der Sanofi-Aventis-Gruppe unterstützten Seminar.

Warum ist es so wichtig, den TSH-Wert im unteren Normbreich zu halten? TSH ist das Thyreoidea-stimulierende Hormon. Eine Stimulation ist aber bei Struma nicht erwünscht. Andererseits ist bekannt, daß eine subklinische Hyperthyreose, die durch zu niedriges TSH bei noch normalen Schilddrüsen-Hormonwerten gekennzeichnet ist, ungünstige Effekte auf Herzfunktion oder Diabeteskontrolle haben kann.

Und warum empfehlen Spezialisten eine Kombitherapie mit Jodid und L-Thyroxin? Mit der L-Thyroxin-Substitution kann man die TSH-Produktion reduzieren, und Jodid sorgt dafür, daß die Jodspeicher der Schilddrüse nicht leer werden. Denn bekanntermaßen ist ein mangelndes Jodangebot Auslöser für Strumen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »