Ärzte Zeitung, 13.07.2004

Spenden werden den steigenden Finanzbedarf gegen Aids nicht decken

2007 werden 16 Milliarden Euro benötigt / Reiche Staaten spenden nicht genug

BANGKOK (dpa). Ohne eine drastische Erhöhung der weltweiten Spenden droht im kommenden Jahr eine Lücke von 4,8 Milliarden Euro im Kampf gegen Aids.

Davor hat das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) auf der Welt-Aids-Konferenz in Bangkok gewarnt. Angesichts von 2,9 Millionen Aidstoten und fast 5 Millionen neu Infizierten im vergangenen Jahr, spenden die reichen Staaten nach Aussagen von UNAIDS zu wenig.

      2005 fehlen 4,8 Milliarden Euro.
   

In den nächsten Jahren könnte die Lücke zwischen den Zahlungen und dem Bedarf noch viel größer werden, befürchtet Paul De Lay, Statistikexperte von UNAIDS. Von 2007 an wird eine "umfassende Antwort auf Aids" 20 Milliarden Dollar kosten. UNAIDS geht in seiner Prognose zurzeit davon aus, daß 2007 nur 10 Milliarden zusammenkommen werden.

Unterdessen klagten Demonstranten Bundeskanzler Gerhard Schröder und weitere Regierungschefs auf der Aidskonferenz symbolisch an und beschuldigten sie, zu wenig Geld für den Kampf gegen Aids zu zahlen. Unter Rufen "Schande, Schande" übergossen Mitglieder der Gruppe Act Up-Paris Konterfeis der Regierungschefs der G7-Staaten mit blutroter Farbe.

Die Staaten halten sich nach Angaben von Act Up-Paris nicht an ihr Versprechen, den Globalen Aidsfonds in jedem Jahr mit zehn Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) auszustatten. Als drittreichstes Land der Welt müsse Deutschland wenigstens 610 Millionen Dollar im Jahr beitragen. Deutschland hat bislang 100 Millionen Euro an den Aidsfonds überwiesen.

Aktuelle Informationen von der Aids-Konferenz: www.aids2004.org

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