Ärzte Zeitung online, 04.01.2018

Virologie

Warum infizierte Affen kein Aids entwickeln

ULM. Forscher haben geklärt, warum einige mit nahen Verwandten des HI-Virus infizierte Affenarten kein Aids entwickeln (Nature 2018; online 3. Januar). Die Erkenntnisse könnten auf längere Sicht dazu beitragen, die HIV-Therapie beim Menschen zu verbessern, teilt die Uni Ulm mit. Nach den Studienergebnissen ist der TLR4-Rezeptor, der bei der Aktivierung des Immunsystems von Bedeutung ist, bei vor Aids geschützten Affenarten weniger aktiv. Der Aids-Erreger des Menschen (HIV) hat seinen Ursprung in Immundefizienzviren (SIV) verschiedener afrikanischer Affenarten.

In ihrer Studie haben die Forscher das Erbgut der in Westafrika beheimateten Rußmangabe vollständig entschlüsselt und mit dem Genom des Menschen sowie anderer Primatenarten verglichen. "Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf von SIV in Rußmangaben erklären könnten", wird Erstautor Dr. David Palesch zitiert, der nach seiner Promotion in Ulm an der Emory University forscht. Besonders auffällig sei eine Veränderung im so genannten TLR4-Rezeptor der Affenart. Dieses zelluläre Eiweiß spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems durch Bakterien.

"Mittels verschiedener Methoden konnten wir nachweisen, dass der TLR4-Rezeptor der Rußmangabe nur eine geringe Aktivität aufweist. Dies könnte der Grund sein, weshalb diese Affen nicht mit einer unkontrollierten Abwehrreaktion auf eine SIV-Infektion reagieren und keine Immunschwäche entwickeln", erläutert Daniel Sauter, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Molekulare Virologie, in der Mitteilung der Uni Ulm.

Auch bei weiteren natürlichen SIV-Wirten, wie der Grünen Meerkatze oder dem Angola-Stummelaffen, hat die Forschergruppe die Veränderung im TLR4-Rezeptor entdeckt. Bei nicht-natürlichen Wirten wie dem Menschen oder Rhesusaffen, die beide eine chronische Immunreaktion zeigen und an Aids erkranken, ist sie hingegen nicht vorhanden."Wir vermuten, dass die natürlichen Wirte von Immundefizienzviren im Laufe ihrer Evolution Veränderungen im TLR4-Gen entwickelt haben, die eine friedliche Koexistenz mit Immundefizienzviren ermöglichen – ganz ohne eine Immunschwäche zu entwickeln", erklärt Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie, in der Mitteilung. (mal)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »