Ärzte Zeitung online, 23.09.2019

Kommentar zu 1 Jahr HIV-Selbsttests

Wer fängt die „Positiven“ auf?

Seit knapp einem Jahr können HIV-Selbsttests in Apotheken oder Drogerien erworben werden. Doch was tun bei „positivem“Befund?

Von Wolfgang van den Bergh

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Schreiben Sie dem Autor: vdb@springer.com

Etwa 30.000 Selbsttests auf HIV sind in den vergangenen zwölf Monaten gemacht worden. „Eine gute Nachricht“, sagt die Deutsche Aidshilfe, die diese Zahl ein Jahr nach Einführung der HIV-Selbsttests nennt. Offenbar sei die Hemmschwelle gesunken, seit diese Tests nicht mehr nur exklusiv in Arztpraxen, bei Aidshilfen oder in Gesundheitsämtern erhältlich sind. Dieser Einschätzung könnte man sich bedenkenlos anschließen.

Nur: Was sagt die Zahl über diejenigen aus, die von einer „positiven“ Nachricht überrascht worden sind? Haben sie den Ansprechpartner gefunden, der ihnen erklärt, was passiert? Dass etwa ein weiterer Test im Labor zur Bestätigung durchgeführt werden muss? Dass diese Diagnose längst kein Todesurteil bedeutet und ein nahezu normales Leben mit HIV möglich ist? Werden sie aufgeklärt über Ansteckungsgefahren und Übertragungswege?

Das bedeutet, die Anonymität zu verlassen und das vertrauensvolle Gespräch mit dem Arzt oder der Beratungsstelle zu suchen. Nur wenn das sichergestellt ist, wird aus dem positiven ersten Schritt mit dem Selbsttest ein Gesamtkonzept.

Es wäre wünschenswert, darüber anlässlich des Stichtags am 29. September mehr zu erfahren. Ein Gradmesser dafür, wie wirksam Aufklärungskampagnen tatsächlich sind.

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