Ärzte Zeitung, 22.03.2011

Schwangere und Kleinkinder sollten Regionen mit Malaria meiden

Ob im Bauch oder auf dem Arm: Reisen mit Kind bedürfen medizinischer Vorbereitung.

Schwangere und Kleinkinder sollten Regionen mit Malaria meiden

Richtig problematisch ist die Malariaprophylaxe bei Schwangeren.

© Elena kouptsova-vasi / fotolia.com

BERLIN (gvg). Bei jedem zweiten Kind im internationalen Luftverkehr haben sich die Eltern vor der Reise nicht medizinisch beraten lassen, so eine Studie (Pediatrics 2010, 125: e1072). Dabei sind Kinder auf Reisen, ähnlich wie Schwangere, besonders durch Krankheiten gefährdet.

Besonders mit Kleinkindern werden häufig Freunde und Verwandte in fernen Ländern besucht. Menschen bei solchen Verwandtenbesuchen gelten aber als reisemedizinische Risikogruppe, weil sie sich typischerweise nicht an die touristischen Hauptrouten halten.

Ein wichtiges Thema bei Kindern wie Erwachsenen ist dabei die Malariaprophylaxe. Hier ist das Spektrum der einsetzbaren Präparate eingeschränkt, wie Bettina Flörchinger vom CRM Centrum für Reisemedizin betonte. So könne Doxycyclin wegen der damit verbundenen Knochen- und Zahnproblematik bei Kindern unter acht Jahren nicht eingesetzt werden.

Das Mittel ist in Deutschland für die Malariaprophylaxe nicht zugelassen, wird von der WHO aber als mögliche Option empfohlen. Das bei Erwachsenen beliebte Atovaquon / Proguanil sei erst ab 11 kg Körpergewicht zugelassen, so Flörchinger. Mefloquin kann immerhin ab drei Monaten beziehungsweise ab 5 kg eingesetzt werden.

Richtig problematisch ist die Malariaprophylaxe bei Schwangeren. Zwar sind die Klassiker Chloroquin und Proguanil in der Schwangerschaft eine Option. Es gibt aber viele Resistenzen. Das effektivere Mefloquin darf Schwangeren ab dem 2. Trimenon gegeben werden, kann aber bekanntlich psychische unerwünschte Wirkungen haben.

Ansonsten steht wenig zur Verfügung: "Atovaquon/Proguanil ist in der Schwangerschaft, Doxycyclin zusätzlich auch in der Stillzeit kontraindiziert", so Flörchinger. Und auch die Ausweichoption einer Standby-Medikation bietet sich nicht wirklich an, weil der "Klassiker" Arthemeter/Lumefantrin zumindest im 1. Trimester nur in lebensbedrohlichen Situationen gegeben werden sollte.

Flörchingers Fazit: "Schwangere und Kleinkinder sollten möglichst nicht in Malariagebiete reisen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, muss die Expositionsprophylaxe besonders sorgsam erfolgen."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »