Ärzte Zeitung online, 25.02.2014

Multifunktionale Nutzung

Bodenablauf im Urologie-OP ist kein Infektionsrisiko

Bedenken, wonach eine Doppelnutzung urologischer Operationssäle ein Infektionsrisiko darstellen könnte, hat eine deutsche Studie jetzt zerstreut.

FRANKFURT/MAIN. Für transurethral vorgenommene urologische Eingriffe ist ein Operationssaal erforderlich, der über einen Bodenablauf für die nicht zu knapp anfallenden Flüssigkeitsmengen verfügt.

Kann man einen solchen Raum auch für offene bzw. laparoskopische Operationen verwenden, ohne die Patienten einem erhöhten Infektionsrisiko durch Aerosole auszusetzen, die Bakterien aus dem Abflussrohr enthalten? Diese Frage haben sich Urologen um Hendrik Borgmann von der Universitätsklinik Frankfurt am Main vorgelegt.

Ihre Antwort: Man kann. Die Mediziner hatten zwischen 2007 und 2012 Daten von 1027 Patienten gesammelt, von denen 272 in einem OP mit und 755 in einem OP ohne eingebauten Bodenablauf operiert worden waren (Urol Int 2014, online 18. Februar).

Bei den Eingriffen handelte es sich um offene radikale Prostatektomien, offene (partielle) Nephrektomien und laparoskopische (partielle) Nephrektomien. Analysiert wurde die Häufigkeit von Infektionen im Operationsgebiet je nach OP, in dem die Eingriffe stattgefunden hatten.

Unterschiede in den Wundinfektionsraten waren dabei nicht festzustellen. Von den Patienten, die in einem OP mit Abfluss operiert worden waren, entwickelten 2,6 Prozent eine Infektion, von den in abflussfreien Räumen Operierten waren es 2,8 Prozent. Auch die nach der Infektionstiefe (oberflächliche oder tiefe Wundinfekte, Infektionen von Organen oder Körperhöhlen) differenzierten Zahlen wichen nicht signifikant voneinander ab.

Beim Keimspektrum der Infektionen überwogen Staphylococcus aureus, Escherichia (E.) coli und E. faecalis, und zwar unabhängig vom Vorhandensein eines Bodenablaufs. Abstriche aus den Abflüssen waren in einem Viertel der Fälle (fünf von 20) positiv, viermal auf E. coli und einmal auf Proteus mirabilis.

Aus Sicht der Studienautoren steht damit einer flexiblen, ressourcenschonenden Nutzung von urologischen Operationssälen nichts im Wege. Ein Abflussrohr, das in den OP-Boden mündet, erhöht laut den Erkenntnissen von Borgmann und Kollegen nicht die Infektionsgefahr bei Eingriffen, die einen Hautschnitt erfordern. (rb)

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