Ärzte Zeitung, 11.06.2014

Prothesen-Op

Infekte vor allem bei Knochenbrüchen

Postoperative Infektionen treten bei 0,7 Prozent der Knieprothesen-Ops und bei einem Prozent der Hüftprothesen-Ops auf. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen für das Abstoßen der Prothesen.

Infekte vor allem bei Knochenbrüchen

Prothesen-Op: Immer wieder kommt es trotz sorgfältigen Arbeitens zum Infekt.

© Mathias Ernert, Orthop. Uniklinik, Heidelberg

LONDON. "Am häufigsten, nämlich in 2,8 Prozent der Fälle, wurden Prothesengelenksentzündungen in der Gruppe mit sekundärer Frakturprothetik gefunden, also bei Personen, bei denen beispielsweise eine interne Fixation missglückt war", fasst Dr. Piotr Kasina, Karolinska Institut, Stockholm, in einer Mitteilung vom europäischen Orthopäden-Kongress in London (EFORT) die Ergebnisse einer schwedischen Studie zusammen.

Etwas geringer sei die Inzidenz mit 2,1 Prozent bei Patienten, die erstmalig eine Prothese aufgrund eines Knochenbruchs erhalten hatten. Und deutlich weniger Infektionsfälle gab es bei Menschen, die aufgrund degenerativer Prozesse operiert wurden.

Bei dieser Gruppe kam es nur in 0,8 Prozent der Fälle zu einer Infektion. Das Team um Kasina hatte 3807 Fälle untersucht, die zwischen 1996 und 2005 am Stockholmer Allgemeinen Krankenhaus Süd behandelt worden waren.

PCT und IL-6 als Biomarker

Nur in 40 Prozent der Fälle konnte die Infektion ausgeheilt werden, in 42 Prozent war das Infektionsgeschehen erst nach einer permanenten Resektionsarthroplastik beherrschbar, das Gelenk musste also dauerhaft entfernt werden, heißt es in der Mitteilung. Davon seien fast ausschließlich Frakturpatienten betroffen gewesen. In zehn Prozent der Fälle sei eine lebenslange Antibiose nötig gewesen.

Mit den Biomarkern Procalcitonin (PCT) und Interleukin 6 (IL-6) scheinen österreichische Forscher neue Parameter zur Feststellung von periprothetischen Gelenkinfektionen bei einer Revisionsendoprothetik identifiziert zu haben.

"Wir haben die Sensitivität und Spezifität von konventionell genutzten Biomarkern wie CRP und den Leukozyt-Spiegel jener von PCT, IL-6 und Interferon alpha gegenübergestellt. CRP hat sich zwar nach wie vor als der beste Biomarker bestätigt, um bei periprothetischen Revisions-Operationen eine Infektion zu diagnostizieren, aber PCT und IL-6 haben sich ebenfalls als hilfreich erwiesen", wird Studienleiter Professor Mathias Glehr, Uniklinik Graz, zitiert.

Sie könnten als zusätzliche Indikatoren herangezogen werden, sollte eine Diagnose nicht eindeutig ausfallen". Für die Studie wurden die Werte von 84 Patienten beziehungsweise 124 Ops analysiert. (eb)

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