Ärzte Zeitung online, 14.11.2016

Antibiotika

Auf der Suche nach dem Fünf-Minuten-Test

Der Test, der binnen fünf Minuten Viren von multiresisten Bakterien unterscheidet, ist noch Zukunftsmusik, sagen Wissenschaftler. Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen spielt Tempo gleichwohl bereits eine wichtige Rolle.

Von Anno Fricke

Was tun gegen Antibiotika-Resistenzen?

Antibiotika-Resistenzen: Ein zunehmendes Problem.

© ggw / fotolia.com

BERLIN. Eine der neuen Strategien im Kampf gegen multiresistenteKeime heißt Geschwindigkeit. Je schneller Ärzte einen Keim identifiziert hätten, desto zielgenauer könnten sie ihn bekämpfen, lautet der Ansatz. Der Einsatz von Resistenzen fördernden Breitbandantibiotika könnte so zurückgefahren werden, sagen Fachleute.

 "Im Augenblick liegen Ärzte bei ihren Diagnosen in inadäquatem Umfang daneben", sagte Oliver Schacht vom Diagnostika-Hersteller Curetis am Montag in Berlin. Dazu kämen in Deutschland Organisationsprobleme auf den Stationen. Die Politik könne den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen auch durch verbindliche Personalschlüssel zumindest auf Intensivstationen unterstützen.

Von einer Strategie des Screenings versprechen sich Fachleute Fortschritte im Kampf gegen die zunehmenden Resistenzen. Doch die erforderlichen Technologien stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung. Zudem fehlten die klinischen Studien, wie sie in den Klinikalltag implantiert werden könnten.

Noch benötigten auch die neuen Diagnoseinstrumente vier bis fünf Stunden, bevor feststehe, ob ein Patient gegen eine virale oder eine bakterielle Infektion behandelt werden müsse, sagte Schacht bei einer Pressekonferenz des Fachverbands Bio Deutschland. Die neuen Schnellverfahren, die Curetis GmbH ist ebenfalls Anbieter, sollten die klassische Kultur nicht ersetzen. Sie erlaubten aber, die Erreger oder auch Pilze bereits anhand ihrer Erbsubstanz zu identifizieren. Gleichzeitig könne auch das Resistenzrisiko abgeschätztwerden.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat den Kampf gegen die zunehmenden Antibiotikaresistenzen auf die Agenda der internationalen Politik gesetzt. Beim G 20-Gipfel 2017 in Hamburg soll das Thema erneut behandelt werden.

Die internationale Gemeinschaft müsse darauf dringen, dass in den Schwellenländern keine Antibiotika mehr ohne Rezept abgegeben würden, sagte die Hygienewissenschaftlerin an der Berliner Charité Professor Petra Gastmeier. 70 bis 80 Prozent der Menschen in Indien seien Träger neuer resistenzbildender Bakterienstämme.

Es sei nicht mehr der Multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA), der den Ärzten Kopfzerbrechen bereite, sagte Gastmeier. Vielmehr seien nun die gramnegativen Erreger auf dem Vormarsch.

Sie ließen sich nicht einfach dekolonisieren wie die auf dem Rückzug befindlichen MRSA. Damit komme es in Klinken zunehmend zu Übertragungen von Patient zu Patient, berichtete Gastmeier.

Ausweislich einer Studie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, an der sechs Universitätskliniken teilgenommen haben, bringt rund jeder zehnte stationär aufgenommene Patient Keime der neuen Generation mit ins Krankenhaus. Vor allem diejenigen Patienten seien betroffen, die im halben Jahr vor der stationären Aufnahme vom Arzt Antibiotika verschrieben bekommen hätten, sagte Gastmeier.

Deshalb benötigten niedergelassene Ärzte Diagnosemöglichkeiten, die sehr schnell zwischen viraler und bakterieller Infektion unterscheiden könnten – am besten in einer Zeit, die man dem Patienten noch im Wartezimmer zumuten könne.

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