Ärzte Zeitung, 20.12.2016
 

MRSA-Infektionen

Schutz durch Waschen mit Chlorhexidin

Bei älteren chronisch Kranken senkt die tägliche Verwendung Chlorhexidin-getränkter Waschlappen die Inzidenz von MRSA-Infektionen.

TORONTO / KANADA. Lässt sich mithilfe von täglich verwendeten Waschlappen, die mit 25-prozentigem Chlorhexidin getränkt sind, die MRSA-Inzidenz bei Senioren in einer Klinik senken? Diese Frage beschäftigte kanadische Infektiologen um Dr. Chingiz M. Amirov in einer aktuellen Studie (AJIC 2016; online 11. November 2016).

An dieser nahmen 122 Patienten von drei verschiedenen Stationen der Baycrest Health Sciences in Toronto teil, eine Einrichtung der Maximalversorgung mit fast 1000 Betten (chronic care and longterm acute care). Von den 98 Patienten, die bei Studienbeginn bereits dabei waren, waren 21 Patienten MRSA-positiv.

Unbehandelte Waschlappen

In der Interventionsgruppe wurden die Befunde von 35 Patienten, in den beiden Kontrollgruppen, die unbehandelte Waschlappen benutzten, von 47 bzw. 40 Patienten ausgewertet. Jede der drei Stationen hatte 34 Betten und war zu mindestens 90 Prozent ausgelastet.

Die Proben für die Bakterienkulturen wurden von den äußeren Nasenöffnungen, der Perinealregion und von den zwei größten Hautläsionen entnommen, und zwar mindestens zwölf Stunden nach dem Waschen und alle zwei Wochen. Weil es sich bei den Patienten um betagte Patienten handelte, wurde auf einen Rachenabstrich verzichtet.

Zum MRSA-Nachweis nutzten die Ärzte unter anderem einen Agglutinationstest auf das Penicillin-Bindeprotein 2a. Wie die Ärzte berichten, sind während der zwölfmonatigen Studie insgesamt nur acht neue MRSA-Infektionen im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung der Patienten aufgetreten.

Patient infizierte sich

Ein Patient in der Chlorhexidin-Gruppe infizierte sich, sowie sieben in den beiden Kontrollgruppen. Das entspreche einer Rate von 0,1 versus 0,44 Fälle pro 1000 Patiententage. Die MRSA-Inzidenz in der Chlorhexidingruppe lag zwar um 71 Prozent niedriger als in den Kontrollgruppen. Wegen der geringen Fallzahlen war der Unterschied allerdings nicht signifikant.

Die Ärzte gehen davon aus, dass die niedrige Inzidenz von Infektionen auch darauf zurückzuführen ist, dass auf die Nutzung von Waschbecken als potenzielle Quelle für die pathogenen Keime verzichtet wurde. Wegen der geringen Fallzahlen seien die Schlüsse, die sich aus den Studienergebnissen ziehen ließen, nur vorläufig.

Die Studie wurde vom Unternehmen Sage Products, dem Anbieter der verwendeten mit Chlorhexidin getränkten Waschlappen, unterstützt. Nach Angaben der Ärzte seien weitere Studien erforderlich, um den Nutzen dieser Prophylaxe in dieser Patientengruppe zu klären. (ple)

[22.12.2016, 15:24:16]
Horst Grünwoldt 
Waschungen
Die kanadischen Infektiologen aus Toronto wollen angeblich die MRSA-Inzidenz in Kliniken bei chronisch kranken Alten durch desinfizierende, chlorhexidin-getränkte Waschlappen bekämpfen. Das dürfte der Alters-Gesichtshaut aber nicht besonders gut tun!
Unsere Hygieniker haben seit langem schon die Nasen-Schleimhäute als Dauer- Quelle der meticillin-resistenten Staphylokokken ausgemacht.
Insofern haben vor einiger Zeit die cleveren Holländer, vor der Hospitalisierung, dieses Atemorgan als Ziel ihrer Diagnostik erkannt.
Deshalb sollte die Nase, zusammen mit dem Rachenraum, als Keimquelle nach m.E. auch immer Ort der Primär-Sanierung sein.
Der anspruchsvolle bakterielle Erreger findet nämlich normalerweise -sowohl auf der intakten (äußeren) Haut, wie auch auf (toten) Flächen- keine Vermehrungs-Bedingungen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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