MRSA-Infektionen

Schutz durch Waschen mit Chlorhexidin

Bei älteren chronisch Kranken senkt die tägliche Verwendung Chlorhexidin-getränkter Waschlappen die Inzidenz von MRSA-Infektionen.

Veröffentlicht:

TORONTO / KANADA. Lässt sich mithilfe von täglich verwendeten Waschlappen, die mit 25-prozentigem Chlorhexidin getränkt sind, die MRSA-Inzidenz bei Senioren in einer Klinik senken? Diese Frage beschäftigte kanadische Infektiologen um Dr. Chingiz M. Amirov in einer aktuellen Studie (AJIC 2016; online 11. November 2016).

An dieser nahmen 122 Patienten von drei verschiedenen Stationen der Baycrest Health Sciences in Toronto teil, eine Einrichtung der Maximalversorgung mit fast 1000 Betten (chronic care and longterm acute care). Von den 98 Patienten, die bei Studienbeginn bereits dabei waren, waren 21 Patienten MRSA-positiv.

Unbehandelte Waschlappen

In der Interventionsgruppe wurden die Befunde von 35 Patienten, in den beiden Kontrollgruppen, die unbehandelte Waschlappen benutzten, von 47 bzw. 40 Patienten ausgewertet. Jede der drei Stationen hatte 34 Betten und war zu mindestens 90 Prozent ausgelastet.

Die Proben für die Bakterienkulturen wurden von den äußeren Nasenöffnungen, der Perinealregion und von den zwei größten Hautläsionen entnommen, und zwar mindestens zwölf Stunden nach dem Waschen und alle zwei Wochen. Weil es sich bei den Patienten um betagte Patienten handelte, wurde auf einen Rachenabstrich verzichtet.

Zum MRSA-Nachweis nutzten die Ärzte unter anderem einen Agglutinationstest auf das Penicillin-Bindeprotein 2a. Wie die Ärzte berichten, sind während der zwölfmonatigen Studie insgesamt nur acht neue MRSA-Infektionen im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung der Patienten aufgetreten.

Patient infizierte sich

Ein Patient in der Chlorhexidin-Gruppe infizierte sich, sowie sieben in den beiden Kontrollgruppen. Das entspreche einer Rate von 0,1 versus 0,44 Fälle pro 1000 Patiententage. Die MRSA-Inzidenz in der Chlorhexidingruppe lag zwar um 71 Prozent niedriger als in den Kontrollgruppen. Wegen der geringen Fallzahlen war der Unterschied allerdings nicht signifikant.

Die Ärzte gehen davon aus, dass die niedrige Inzidenz von Infektionen auch darauf zurückzuführen ist, dass auf die Nutzung von Waschbecken als potenzielle Quelle für die pathogenen Keime verzichtet wurde. Wegen der geringen Fallzahlen seien die Schlüsse, die sich aus den Studienergebnissen ziehen ließen, nur vorläufig.

Die Studie wurde vom Unternehmen Sage Products, dem Anbieter der verwendeten mit Chlorhexidin getränkten Waschlappen, unterstützt. Nach Angaben der Ärzte seien weitere Studien erforderlich, um den Nutzen dieser Prophylaxe in dieser Patientengruppe zu klären. (ple)

Mehr zum Thema

Urogenitale Malignome

Akute Zystitis kann auf künftigen Krebs hinweisen

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Kritik an Corona-Verfahren

Warken kontert Vorwürfe von US-Gesundheitsminister Kennedy

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Lesetipps
Ein Mann mit naßgeschwitztem Gesicht und Hemd tupft sich mit einem Tuch die Stirn ab.

© Creatas / Thinkstock

Stufenschema

Das große Schwitzen: Strukturiert gegen Hyperhidrose vorgehen